Amarcord
Tabaccaia

Wer den italienischen Film Amarcord von Federico Fellini kennt, wird sich an die Szene mit der großbusigen Tabakverkäuferin erinnern. Sie ist ebenso schön wie grotesk.
Der pupertierende Junge kommt abends noch einmal in den Laden, um sie zu sehen. Die beiden verstehen sich gut. Soll ich Dir mal zeigen, wie stark ich jetzt bin, fragt der Junge seine Angehimmelte. Ohne die Antwort abzuwarten, umfasst er sie und hebt die dicke Frau mit sehr großer Mühe hoch. Und noch einmal, und noch einmal. Und als er schon nicht mehr kann, hebt er sie noch einmal hoch. Er stöhnt, sie juchzt. Hörte man nur den Ton dieser Szene, man würde denken hier schlafen zwei Menschen mit einander. Ganz fern ist diese Assoziation nicht, denn plötzlich entblöst die Frau ihren übergroßen Busen, führt den Kopf des Jungen zu sich und scheint ihn zwischen ihren Brüsten zu ersticken. Das, was der Junge sich immer erträumt hatte, wird plötzlich zu einer „bedrohlichen“ Wirklichkeit. Beinahe wie ein Ertrinkender kämpft der Junge, um nicht ohnmächtig zu werden. Vom „Gewichtheben“ ist er noch ganz außer Atem. Abrupt endet die Szene, als die Frau den Jungen zurück auf seinen Sitzplatz stößt und sich wieder bedeckt.
Vor lauter falsch verstandener Sexualität hat youtube.com diese Szene aus seinem Angebot herausgenommen. Die Begründung: „Dieses Video wurde entfernt, weil es gegen die YouTube-Richtlinie zu Nacktheit oder sexuellem Content (sic) verstößt“. Die Zensoren mit ihrer Fixiertheit auf die weibliche Brust haben Augen nur noch dafür, nicht aber mehr für die Wärme, den Respekt und die Menschlichkeit, die Federico Fellini in dieser 1973 entstandenen Szene beschreibt.(bkh)

Ein Gedanke zu „Amarcord: Tabaccaia

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