Libysche Wasserkesselstrategie

Was die Weltgemeinschaft auch tut, sie tut es schlecht. Zumindest in Zusammenhang mit dem libyschen Revolutionsführer Gaddafi. Erstaunlich lang sei die Liste der Sanktionen, erstaunlich schnell werde reagiert und erstaunlich einstimmig habe der UN-Sicherheitsrat ein Waffenembargo über das nordafrikanische Land verhängt, so Tomas Avenarius heute in seinem Leitartikel für die Süddeutsche Zeitung. Unter anderem sei ein Reiseverbot für die Familie des Diktators ausgesprochen worden und der Diktator selbst werde sich vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag für seine Brutalität gegenüber dem aufbegehrenden Volk verantworten müssen. Ob dies dazu dient, Gaddafi zu einem Verzicht auf seine Macht zu bewegen? Ernsthaft kann dies niemand glauben. Während mir Flugverbote über lybischem Territorium als sehr geeignete Maßnahmen erscheinen, halte ich es bezüglich des Umgangs mit dem Tyrannen für angebracht, diesem den einen oder anderen Aus- oder Fluchtweg offen zu halten. Soll er doch in Venezuela, in Kuba oder Nordkorea Unterschlupf finden. Das libysche Volk würde es ihm danken. Wozu den Wasserkessel weiter anheizen, wenn das Wasser schon kocht? (bkh)

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren Mitglied des Deutschen Journalisten Verbandes und geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus und geben nicht die Meinung der AnStifter wieder.