Demokratiekongress

Am Sonntag, dem 27.02. fand im DGB-Haus der vor allem von den Anstiftern vorbereitete Demokratiekongress statt. „Vor allem“ soll die Erwähnung der anderen Organisationen nicht unterschlagen. Auf der Website demokratie-kongress21.de werden noch genannt das Aktionsbündnis gegen S21, Attac Stuttgart und Deutschland, Allmende Stetten/Remstal, BUND, Colibri, DGB, Die Parkschützer und und und. Insgesamt werden hier 27 Gruppen. Der Demokratie-Kongress scheint also auf einer recht breiten Basis stattzufinden. Als Redakteur der AnstifterFunken, der Radiosendung der Anstifter in Freien Radio für Stuttgart, ist der Demokratiekongress also eine Pflichtveranstaltung. Aber wie berichtet man über eine Pflichtveranstaltung oder bessere: wie berichte ich über diese Veranstaltung, an der und an deren Hintergrund – der Auseinandersetzung um den Hauptbahnhof – ich in letzter Zeit weniger Interesse habe, als mir lieb ist? Außerdem ist heute Sonntag. Irgendwas zwischen 10 und 11 Uhr. Das war auch immer die Zeit, wenn mich bis zu einem Alter von 14 Jahren meine Mutter in die Kirche mitgeschleppt hat. 40 Jahre später soll ich also wieder sonntags zu einer Pflichveranstaltung? Als ich gegen halb 11 am DGB-Haus ankomme, finde ich in freundlicher Begleitung und treppaus gleich den Weg zum Großen Saal, der voll ist bis auf den letzten Sitz. Ich bleibe am Rand stehen, höre mit einem Ohr den Rednern zu und schaue mich mit einem Auge im Saal um. Einige Gesichter sind mir bekannt. Man nickt sich zu. Neben dem Redner füllt die Bühne eine Leinwand, auf der in lockerem Rhythmus ein Beamer seine Projektionen zeigt. „Augen auf!“, „Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“ und das leicht veränderte Bild der revolutionären Marianne von Eugene Delacroix aus dem Jahre 1830 sehe ich dort. In meinem Kopf mischt sich Assoziatives aus verschiedenen Bundeskongresses der Grünen, Gewerkschaftskongress und anderen Veranstaltungen, an denen ich persönlich nicht teilgenommen habe. Auch der Zugang zum Demokratiekongress mit seinen zahlreichen Wörkshops fällt mir nicht leicht. Wie nähere ich mich auch auf dem Hintgrund der Radiosendung dem grade stattfindenen Ereignis? Was reizt mich? Was macht mich neugierig? Wo fange ich an? Zuhause hatte ich daran gedacht mir den einen oder anderen Referenten „vorzunehmen“. Meine Aufmerksamkeit bleibt nirgendwo hängen. Die Redefetzen lassen mich nicht aufhorchen. Sätze wie „…die Herrschenden scheinen nicht mehr zu können und wir scheinen etwas anderes zu wollen…“ (Applaus) langweilen mich. Ich verlasse den Saal. Auf dem Flur hier im ersten Stock ist noch sehr wenig los. Da stehen entlang den Eingangstüren zum Großen Saal drei oder vier Stehtische. Mit gezwungenen Pflichtbewusstsein lege ich mir an einem der Tische mein Aufnahmegerät zurecht, schließe Kopfhörer und Mikrofon an und überprüfe den Ladezustand der Batterie. Technisch ist alles okay. „Technisch“. Aber was soll ICH hier? Einige bekanntere Personen weiß ich zu identifizieren, aber der Impuls für das zuhause gedachte Gespräch fehlt mir. Was sollte ich fragen? Welche Antworten, die meine Erwartungen angenehm übertreffen würden, kann ich erwarten. Und die „normalen“ Leute? Die mich eigentlich viel mehr interessieren, weil ihr persönliches, viel zu oft ungenanntes Engagement mir mehr sagt, als Erwartungen erfüllende parapolitische Statements von Persönlichkeiten? Da ist der Mann, der hinter den Thermoskannen sich das Ausschenken von Kaffee zur Aufgabe gemacht hat. Nein, auch da fehlt mir der Impuls. Schon etwas neugieriger hat mich der Sprecher der Kritischen Polizisten und Polizistinnen aus Hamburg gemacht, der erst kurz vor dem Kongress seine Teilnahme angekündigt hatte. Dummerweise fällt mir der Name des Herrn jetzt nicht ein. Und außerdem müsste ich den ganzen Raum durchschreiten, um den Herrn vor das Mikrofon zu bekommen. Die Aufmerksamkeit wäre mir nicht recht. Und was frage ich? Und wäre das Gefragte von allgemeinem Interesse? Eine Überlegung, die mir in letzter Zeit stärker angetragen wurde. Ich hätte Hrn. Thomas Wüppesahl natürlich über die Organisation befragt, die er vertritt und die meine Neugierde weckt. Aber die Sache mit den polizeilichen Demo-Provokatören, die keine sind oder doch welche sind, hätten mich auch interessiert. Aber, ja warum eigentlich genau, auch diesen Weg scheue ich. In einem kleineren Rahmen hätte ich meine Hemmungen vielleicht überwunden und hätte dann etwas weniger phlegmatisch meinen Kram zusammengepackt und wäre etwas weniger frustriert nach Hause gefahren. Es regnete leicht. Das mit der Radiosendung bekommen wir auch anders hin. Wie wäre es mal mit einer überarbeiteten „Befindlichkeitsschildung“ eines Redakteurs?