AnStifterFunken
Zum Tod von Peter O. Chotjewitz: ein bisher unveröffentlichtes Interview exklusiv

Im Mai stellte Peter O. Chotjewitz im Philosophischen Café der AnStifter sein Buch “Der Fall Hypatia” vor. Im Anschluss an seinen Vortrag nahm er sich eine halbe Stunde für ein kurzes Gespräch, das hier in voller Länge und unbearbeitet zu hören ist.


(unkorrigierte Mitschrift : Reiseführer in Italien in den 50er Jahren. Kunstgeschichtliches Studium. Ich habe über Leonardo geschrieben und ich glaube, dass auch in anderen Büchern die Kunstgeschichte zu Wort kommt. In meinem ersten Roman gab es ein Kapitel über Rom. Ich habe dann ein Stipendium bekommen. Caravaggio und Bosch sind mir, das habe ich ja grade auch erwähnt, durchaus geläuftig. Die politischen Zusammenhänge, wie stellten die sich da. Für immer nach Italien bin ich 1967. 1967 war italien ganz anders als die BRD. Heute sind die Regierungen ja sehr ähnlich. Berlusconi/Fini und Merkel/Westerwelle sind sich ja sehr ähnlich.
Das war damals anders. Italien hatte eine andere Revoultionsgeschcihte und die starke kommunistische Gewerkschaftsbewegung. Anfang der 60er Jahre hatten die Kommunisten die Neofaschisten ins Boot geholt. So wie die FDP ja auch eine neofaschistische Partei ist. Das gesamte linke Spektrum war ganz anders gestaltet. Welche Rolle spielte Dario Fo. Davon habe ich seit 1969 sehr viel übersetzt. Das hat aber mit Antiautoritär nichts zu tun. Die ganzen K-Gruppen waren ja nicht antiautoritär. Auch in Italien spielte dieses Element eine nur geringe Rolle. Es ging um die Befreiung von Zwängen. Fo ist da eine Mischung. Ganz wichtig ist das komische Theater für Fo. Das Kasperletheater. Der Harlekin. Die haben natürlich auch was anarchistisches, aber nicht so eng politsch. Fo lag besonderen Wert auf das Lachen. Denkanstöße wollte er geben. Das kann man linksradikal sein oder auch mal bürgerlich. Der Feminismus ist ja auch kein linkes, sondern eher ein bürgerliches anliege. Wir kannten uns. Wir haben zusammengesessen. Er trinkt nicht oder raucht nicht. Ja essen, das mag er. Fo erzählt sehr gerne. Unterhaltung war das auch nicht. Ich habe gefragt und er hat geantwortet. Auswirkungen auf meine schriftstellerische Arbeit hatte der Kontakt durch eine größere Lockerheit. Die Mittel sind ja sehr traditionell im Fo’schen Thetaer. Man kann das analysieren auf die verschiedenen Traditionen. Auf den Barock auf das Venezianische Maskentheater, auf Volkstheater in Japan und überall her. Fo ist wie ein Schwamm, der alles aufgesogen hat. Was sind Dir wichtige Romane. Das waren die „Fast letzten Erzählungen“. Zusammen ergeben sie eine Art Education sentimental. Da habe ich etwas über meinen Alltag geschrieben. Sie haben durchaus Ähnlichkeit mit einer Biographie. Die andere Sache war „Mein Freund Claus“ über Claus Croissant, der jetzt vor einem Jahr gestorben ist. Er war ein Menschenrechtler in seiner Art. Er war nicht unabhängig, so wie der Verteidigen vielleicht theoretisch sein sollte.Er hat den Begriff des Vertrauensanwalts mit Leben gefüllt. Das gefielt den Richtern nicht. Ja wir haben uns gut bekannt. Das Juristische von mir hatte für diese Beziehung keine Wichtigkeit. Grade für Claus war auch das nicht von zentraler Bedeutung. Er hat erkannt wie die Justiz als Mittel des Systems funkionierte als Mittel gegen die Systemgegner. Du warst immer sehr radikal auch in Deinen Zeitungstexten. Gab es da nie Probleme. Ja, ich hatte einen Prozess wegen Unterstützung der RAF. Ich galt als Sympatisant. Das hauptsächeliche war sicher, dass ich im Lieteraturbetrieb als Unperson gelte. Die Geheimdienste war mir auf den Fernsen. Aber ich werde weitläufig ignoriert. Auch mit den Verlagen gibt es so Schwierigkeiten. Große Verlage, die sich auch mal einsetzen habe ich nicht. Das ist schade und das sind Nachteile. Das ist nicht locker zu nehmen. Das ist nicht einfach. Man ist out, das kann man schon sagen. Ich bin noch gar nicht mal sicher, ob ich „radikal“ bin. Mit den Mönchen im 3. unt 4 Jahrhundert möchte ich nicht verglichen werden. Das sind Idioten, Skinheads, ohne Hirn. Schlägertrupps. Wie bist Du auf Hypatia gekommen. Wie politisch oder interessant war diese Arbeit über eine Frau die 415 von der Kriche und deren Handlangern gelyncht wurde. Das hat mit Religion und mit den Verbrechern zu tun, die die Krichen sind. Das habe ich in einem Fall exemmplifiziert. Auch damit wolte ich darstellen, dass die ganze Macht der Kirche auf Verbrechen basisert. Das war wie bei den Nazis oder bei den Islamisten. Terror, Mord, Totschlag und dann, hintendran, Reinwaschen. Das will man ja gar nicht merh wahrhaben. Die Taliban, die wir bekampfen müsen sind unsere eigenen Vorfahren. Die Machergreifung der Kriche war wie bei den Taliban. Hypatia habe ich im Nebenfach Philosophie enteckt. Das Interessante war, dass sie con Christen ermordert wurde. Jahrundertelang haben die die Heiden verfolgt. Darauf basiet die Machergreifung des Christentums. Hypatia war immer sehr präsent, obwohl es kaum Quellen gibt. So ein Buch schreibt man in 2 – 3 Monaten. Ich war auch kurz in Alexandrien. Das ist jetzt nicht so viel. Literarisch ist das ja nicht sehr anspruchsvoll. Das Buch ist trotzdem vergriffen. Ein Bestseller ist es nicht. Das es nicht nachgedurckt wird, hängt auch mit Interessen zusammen. Das wird so richtig kein Erfolg. Dafür ist das Buch auch zu ehrlich. Das nächste Projekt wird über die DDR gehen. Das ist wie gemeint? Das weiß ich auch noch nicht. Warauf bezieht sich das Interesse. Wir wissen ja nichts über die DDR. Da gibt es die Bürgerrechtlicher. Über das Leben gibt es etwas, aber nicht viel. Über den Kreis Suhl gibt es was. Für Insider. Belletristik gibt es. Angekommen im Westen ist das nicht, weil das nicht zur Oppositon zählte. Es gibt Material, ja, aber mir könnte es darum gehen, das Leben in der DDR darzustellen. Ich denke da an eine Kleinstadt. Wie funktioniert eine 25-köpfige Zweigstelle des Ministeriums der Staatssicherheit, die in einer Stadt mit 300000 Einwohnern nicht anonym sein können. Wenn man das mal beleuchtet, kriegt die DDR ein anderes Gesicht. Ein anderes als das von Biermann und der Biertler-Behörde. O. steht für Otto Danke.)

siehe auch
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_O._Chotjewitz
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,734827,00.html

2 Gedanken zu „AnStifterFunken: Zum Tod von Peter O. Chotjewitz: ein bisher unveröffentlichtes Interview exklusiv

  1. Sehr interessant.Das Buch über die DDR wäre bestimmt sehr aufschlussreich geworden.Der Süd-West-Rundfunk gedachte gewstern abend mit dem aufrüttelnden Hörspiel Die Studenten waren nicht nan allem schuld des Todes von Peter O.Chotjewitz.Ich erinnere mich,wie diese Hörspiel uns alle sehr mitgenommen hat.Ich dachte an den schwarzen Donnerstag.

  2. Ich bin traurig über den Tod von Peter O.Chotjewitz. Seine Literatur hat mich sehr aufgerüttelt.Schade, daß er das Buch über die DDR nicht mehr schreiben konnte. I.B.

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