"Wann war denn diese heldenhafte Befehlsverweigerung?"

Eine Militärstation in Eritrea im November 2008: Der orthodoxe Christ Daniel Melawi (Name zum Schutz des Betroffenen geändert) bekommt den Befehl, auf Landsleute zu schießen, die nach Äthiopien fliehen wollen. Der zwangsverpflichtete Soldat weigert sich und wird eingesperrt. Befehlsverweigerer werden in Eritrea als politische Verräter behandelt. Brutale Lagerhaft, Geheimgefängnisse und Folter sind das, was sie zu erwarten haben. Nach drei Monaten im Gefängnis geht Daniel Melawi zum Schein auf alle Forderungen ein. Er kommt frei und entschließt sich zu fliehen. Das Risiko ist enorm hoch: Wenn er einem Militärposten in die Hände fällt, kann dies sein Ende sein.

Ägäis, Februar 2009: Aus Eritrea entkommen, versucht Daniel Melawi in einem Schlauchboot nach Griechenland zu gelangen. Polizisten der Küstenwache zerstechen das Boot. Bis zu seiner Rettung treibt Herr Melawi stundenlang mit anderen Flüchtlingen im Meer. Drei von ihnen ertrinken.

Frühjahr 2010: Nach Monaten willkürlicher Inhaftierung in Griechenland flieht Daniel Melawi weiter. Im April erreicht er Deutschland und beantragt Asyl.

Doch auch hier sperrt man ihn sofort ein. Seine Fluchtgründe interessieren niemanden. Am 28.06.2010 soll er ohne Anhörung nach Griechenland abgeschoben werden. Unmittelbar vor der Abschiebung erfährt PRO ASYL von dem Fall und schreitet ein. Höchste Eile ist geboten.

Um die Abschiebung zu verhindern, beauftragen wir eine Anwältin. Wir unterstützen Herrn Melawi mit Mitteln aus dem Rechtshilfefonds. In letzter Sekunde gelingt es uns, ihn zu schützen. Endlich darf er einen Asylantrag stellen. Doch die Hoffnung trügt: Während der Anhörung verhält sich der Entscheider des Bundesamtes gegenüber dem verzweifelten Mann extrem unfair. Die Weigerung des orthodoxen Christen, auf fliehende Menschen zu schießen, kommentiert er mit der höhnischen Bemerkung: „Wann war denn diese heldenhafte Befehlsverweigerung?“

Den Asylantrag lehnt der Entscheider als „unzulässig“ ab. Nun droht Daniel Melawi erneut die Abschiebung. Aber wir geben nicht auf und gehen erneut vor Gericht – wenn es sein muss bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

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