Theaterhaus
Zum Auschwitz-Tag

Do, 27. Jan, 19:30 h, Theaterhaus: Zum Auschwitz-Tag. Ein Abend der Anstifter. Hellmut G. Haasis: Wer ermordete Joseph Süss? Der verheimlichte Stuttgarter Justizmord.Musik: Stefan Charisius (Kora) – Texte: Marie Koellner. 1738 wurde Joseph Süss Oppenheimer, Heidelberger Geschäftsmann und herzoglichen Finanzberater, vom Württembergischen Geheimen Kriminaltribunal an den Galgen gehängt, beim Pragfriedhof. Die Berichterstattung war verboten, die Akten wurden weggeschlossen. Die Landeshistoriker kannten keine Quellen über Süß, aber von einer Generation zur andern gaben sie weiter: Der Jud: Landesverderber, Verbrecher, Hochverräter, Dieb, Münzfälscher, Frauenheld.
Hier wird ein anderer Süß vorgestellt, aus den geheimen Justizakten: ein für das zurückgebliebene patrizische Württemberg viel zu moderner Aufklärer, kulturell und wirtschaftlich überlegen, deshalb von Neid verfolgt. Süß war bereits vor der ersten Gerichtssitzung zum Tod verurteilt. Elf Monate lang lag er in einem Loch der Festung Hohenneuffen, danach des Hohenaspergs. Sein Pflichtverteidiger Mögling blieb eine knechtische Seele, half zum Justizmord. Süß antwortete auf das schreiende Unrecht mit Hungerstreik, nahm nur noch koschere Speisen zu sich. Unter dem Galgen hielt er sich offen zum Glauben seiner Vorfahren, er wurde wieder Jude. Bei der Beratung des Todesurteils gab das Kriminaltribunal intern zu, es fände keine ausreichenden Vorwürfe. Ein Tübinger Professor unter den Richtern traf den Punkt: „Dennoch hat der Jud den Tod verdient.“

Die kleine jüdische Gemeinde von Stuttgart brachte illegal eine hebräische Gedenkschrift heraus, die in Stuttgart bis heute nicht zur Kenntnis genommen wird. Was 1738 unter schwerster Strafe stand, zählt noch heute nicht zur Stadtkultur. Vor 17 Jahren erschien sie übersetzt als ein würdiges Totengedenkbuch. An diesem Abend erzählt der Biograph Haasis das Leben und Ende von Süß anhand alter und neuer Illustrationen. Stefan Charisius (Kora) und Marie Koellner spielen und sprechen Originaltexte, die den harten Weg zum Tod nachgehen.