Die Bahn ist nicht wetterfest – sie muss wieder flott gemacht werden

Fluggesellschaften empfehlen den Umstieg auf die Bahn. Die Bundesbahn rät von der Benutzung der Bahn ab. Kurios!
Schnee und Eis bereiten Sorgen. Der Flugverkehr wird behindert. Die Bahn bekommt die Probleme auch nicht in den Griff. Sie empfiehlt, die Züge nicht zu benutzen. Man kann es kaum glauben.

Man reibt sich verwundert die Augen und erinnert sich noch an die Plakate „Alle reden vom Wetter, wir nicht – DB“. Inzwischen sind Jahre vergangen. Der technische Fortschritt ist vorangekommen. Und da soll es nicht möglich sein, dass unsere E-Locks mindestens so leistungsfähig sind wie die alten Dampfrösser? Und so dramatisch ist doch dieser Winter noch gar nicht!

Dass Flugzeuge mit Eis und Schnee Probleme haben, das leuchtet ein. Aber bei der Bahn? Eigentlich müssten die Wetterprobleme die Stunde der Bahn sein. Sonderzüge müssten bereitgestellt werden, statt die Geschwindigkeiten zu reduzieren und gar vom Bahnfahren abzuraten. Eine leistungsfähige Bahn eines hoch industrialisierten Landes stellt man sich anders vor.

Nach Einschätzung des verkehrspolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer, sind die gegenwärtigen Zugverspätungen bei der Bahn neben dem Wetter maßgeblich auf „dramatische Wartungsmängel“ am Schienennetz zurückzuführen. „Die Deutsche Bahn ist nicht winterfest.“ Vielerorts seien Gleisanlagen defekt oder keine Weichenheizungen vorhanden. „Das Unternehmen muss massiv in Personal und Anlagen investieren, anstatt weiter auf dem Rücken der Reisenden zu sparen“, forderte der SPD-Experte.

Und das gehört zur Ursachenforschung noch dazu: Die Bahn sollte reif für die Börse gemacht werden. Dafür mussten hohe Gewinne ausgewiesen werden. Mit der Reduzierung des bereit gehaltenen rollenden Materials, mit dem Abbau von Reparaturwerkstätten, mit der Vernachlässigung der Gleisanlagen sowie der Züge und nicht zuletzt mit der Abschaffung vieler Arbeitsplätze sollte unsere Bahn für Spekulanten attraktiv gemacht werden.

Diese Abmagerungskur ist unserer Bahn schlecht bekommen. Eine nicht ausreichend funktionstüchtige Bahn ist ein teures Spielzeug. Sie muss jetzt wieder flott gemacht werden, sie muss moderner und leistungsfähiger, vor allem wetterfest werden; sie muss sich vor allem an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Denn sie ist noch immer unsere Bahn.

Vom Stuttgarter Bahnprojekt könnte man einige Milliarden abzwacken und in die marode Infrastruktur stecken. Dann kämen Millionen von Menschen täglich schneller an ihr Ziel. Und für die Modernisierung des Stuttgarter Bahnhofs blieben immer noch genug Milliarden übrig.

Hermann Zoller

Über Burkhard Heinz

Ich bin seit vielen Jahren geschäftsführender Gesellschafter des Medienbeobachtungsunternehmens mediatpress®. Die von mir verfassten Beiträge beschäftigen sich mit den Themen Medien, Kommunikation und Journalismus. Artikel, die auf dieser Website zu lesen sind und nicht von mir stammen, geben nicht immer auch meine Meinung wieder.

2 Gedanken zu „Die Bahn ist nicht wetterfest – sie muss wieder flott gemacht werden

  1. Einerseits, ist es unöglich sich so schnell auf den Winter vorbereiten zu können, wenn man nicht weis was einen erwartet. Dann kan man genau so gut allen anderen Verkehrsgesellschaften Vorwürfe machen.

  2. der Winter ist keine neue Erfindung unserer Breitengrade….in der Schweiz, Österreich und Bayern ist Schnee und Minusgrade über monate angesagt, und wohl durch bessere Wartung mehr oder weniger im Griff.
    Ich war nach Weihnachten in einem ICE, der evakuiert werden musste wg defektem Stromabnehmer…und hatte von HH bis Stuttgart 3h Verspätung – alle Leute haben nur noch gespottet!
    Die Frage ist nur: wie kriegen wir die Staatskontrolle über die DB AG zurück, die das Allgemeinwohl in den vordergrund stellt ???

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