FriedensGala der AnStifter Sonntag, 21. November 2010, 16.30 Uhr, im Theaterhaus Stuttgart

Stuttgarter Friedenspreis 2010 für den „Asylpfarrer“ Werner Baumgarten

Eröffnung der Plakatausstellung „Zivilcourage zeigen“
Der Stuttgarter Friedenspreis 2010, wird am Sonntag, dem 21. November 2010, um 16.30 Uhr an den „Asylpfarrer“ Werner Baumgarten im Rahmen der FriedensGala im Theaterhaus Stuttgart übergeben. Der Preis, den die AnStifter jährlich vergeben, ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Laudatio hält der Autor Bahaman Nirumand. Die musikalische Umrahmung hat die World Music Band übernommen; Moderation Marina Kem, multimediale Ausgestaltung Jochen Faber.
Vor Beginn der FriedensGala wird in der Theaterhausgalerie um 14.30 Uhr die Plakatausstellung „Zivilcourage zeigen“ von Barbara Heuss-Czisch und Heidemarie Roth eröffnet. Präsentiert werden Arbeiten, die im Rahmen eines von den AnStiftern ausgeschriebenen internationalen Plakatwettbewerbs eingesandt wurden.
Die Entscheidung für Werner Baumgarten ist das Ergebnis von zwei Wahlrunden, die die AnStifter durchgeführt haben. Insgesamt lagen 25 Vorschläge für die Preisvergabe vor. Auf Platz 2 gewählt wurde Aminatu Haidar, die Gandhi der Westsahara, die seit vielen Jahren für die politische Selbständigkeit der Westsahara kämpft. Ihr folgt der Vorschlag, Ludwig Baumann, den Deserteur, als Vorbild für alle Soldaten zu ehren.
Werner Baumgarten
ist seit 1991 als Asylpfarrer der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart tätig. Seit 2001 hat sich in enger Kooperation mit dem Diakonischen Werk Württemberg sein Dienstauftrag auf den Bereich der württembergischen Landeskirche ausgedehnt.
Baumgarten leitet seitdem beispielsweise auch den Kreis der Beauftragten für Asyl und Migration der 52 württembergischen Kirchenbezirke und ist Ansprechpartner für Gemeinden, die erwägen einem Flüchtling Kirchenasyl zu gewähren. Der 1950 in Grötzingen geborene Werner Baumgarten hat Theologie und Germanistik in Tübingen und Heidelberg studiert und wurde 1982 Pfarrer an der Pauluskirche im Stuttgarter Westen. Seit 1991 sind jährlich bis zu viertausend Flüchtlinge, die bei ihm Rat suchen, seine „Gemeinde“.
Werner Baumgarten, Vorsitzender des Arbeitskreises Asyl (AKA) steht im Spannungsfeld zwischen Menschenrechten, deren Umsetzung in praktische Tagesarbeit und der Fürsorge für den einzelnen Flüchtling. Er leistet seit vielen Jahren eine herausragende Arbeit für Frieden und Verständigung „vor Ort“. Für Flüchtlinge und Asylanten zu arbeiten, heißt auch, Forderungen an Politik und Gesetzgeber zu stellen. Pfarrer Baumgarten und der AK Asyl fordern: Uneingeschränkte Arbeitserlaubnis für Asylbewerber; Dezentrale Unterbringung in menschenwürdigen Wohnungen; Rücksicht auf kulturelle/religiöse Zusammengehörigkeit; Recht auf Kindergarten- und Schulbesuch; Integrations- und Beschäftigungsangebote; Anerkennung der Rechte sog. „Illegaler“; Anerkennung von Folter als Asylgrund; Tolerantes Zusammenleben von Deutschen und Ausländern; Aufhebung der Residenzpflicht.
Mit der Aktion „Lampedusa“ fordert der AKA, leerstehende Unterkünfte wenigstens übergangsweise für notgelandeten Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, um die unmenschlichen Zustände der europäischen Flüchtlingspolitik zu mindern. Der AKA organisiert gemeinsam mit seinen vielen durch Sprache und Kultur unterschiedlich „georteten“ Asylbewerbern Veranstaltungen und Treffen, in denen sie öffentlich zu Wort kommen und ein Stück ihrer Heimat, Kultur und Wertvorstellungen präsentieren. Werner Baumgarten stellt sich als Ideengeber und Motor in den Dienst dieser Arbeit, zu der der jährliche Asylausflug, der Tag des Flüchtlings uvm gehören. Baumgarten ist weit über die Stadt hinaus ein geschätzter und gefragter Fachmann, Redner, Ratgeber und Diskussionsteilnehmer. Jeder Hilfesuchende erhält Begleitung, Hilfe, Aufklärung und Motivation für den Alltag. Konflikte zwischen gesellschaftlichen Gruppen abzubauen und zum gegenseitigen Verstehen beizutragen, ist praktische Friedensarbeit, die Werner Baumgarten seit 30 Jahren erfolgreich leistet. In diesem Jahr wird er 60.
Büro: Asylpfarrer Werner Baumgarten, Postfach 10 02 21, 70002 Stuttgart, Telefon , , ak.asyl-stuttgart@t-online.de oder baumgarten.w@lmdw.elk-wue.de
Die World Music Band
Argentinische Tangos verschmelzen mit arabischen Klängen und kaukasischen temperamentvollen Melodien. Nordafrikanische Beats treffen auf lateinamerikanische Rhythmen, unterlegt von atemberaubenden, flamencobehafteten Gitarrenläufen, treibenden Bässen und jazzigem Drum.
Eine argentinische Sängerin, ein algerischer Sänger und georgische Mehrstimmigkeit, ein Bandoneon und jede Menge Percussion, Drums und Saiteninstrumente – ein arabisch- kaukasisch-argentinisches Klangerlebnis der besonderen Art, bei dem die jeweiligen Traditionen nicht verwischen, sondern neue und spannende Klangteppiche den Zuhörer überraschen dürfen.
Open World Project ist ein völlig neues Musikprojektes aus Stuttgart. The Shin, die Gewinner des bundesweiten Creole-Weltmusik-Wettbewerbs 2009, riefen gemeinsam mit dem Forum der Kulturen und den AnStiftern dieses einzigartige „Open World Project“ ins Leben – die Gründung einer Band mit Spitzenmusikern aus der Region Stuttgarts, wie
Daniel Messina und Ranem Hamous, die wohl tief in ihren jeweiligen Traditionen verwurzelt, gleichzeitig aber offen sind für neue Kulturen, Genres und Stilrichtungen.
Zaza Miminoshvili (The Shin/Georgien) – Gitarre Zurab Gagnidze (The Shin/Georgien) – Bass, Gesang Mamuka Gaganidze (The Shin/Georgien) – Gesang Perkussion Daniel Messina (Argentinien) – Schlagzeug Ranem Hamous (Algerien) – Gesang Gabriela Bergallo (Argentinien) – Gesang
Bahman Nirumand (Laudator) wurde am 18. September 1936 als Sohn einer wohlhabenden Beamtenfamilie in Teheran geboren. Sein Onkel war vor dem Zweiten Weltkrieg Konsul an der iranischen Botschaft in Berlin gewesen. Bahman Nirumand wurde im Alter von 14 Jahren von seinen Eltern nach Deutschland geschickt, um dort sein Abitur zu machen. Er besuchte in Deutschland eine Waldorfschule. Nach seinem Abitur studierte Bahman Nirumand in München, Tübingen und Berlin Germanistik, Philosophie und Iranistik. 1960 promovierte er an der Universität Tübingen über Probleme der Verpflanzung des europäischen Dramas in die neupersische Literatur. Nach Abschluss seines Studiums kehrte er in den Iran zurück und arbeitete dort als Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Teheran, daneben als Schriftsteller und Journalist. Er geriet mit seinen politischen Aktivitäten mit dem Schah- Regime in Konflikt und kehrte 1965 in die Bundesrepublik zurück. Sein im Januar 1967 erschienenes Buch Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der Freien Welt hatte großen Einfluss auf den Internationalismus der Studentenbewegung. Auf Vortragsreise für sein Buch in Hamburg lernte er auf Einladung von Freimut Duve Ulrike Meinhof kennen, und sprach mit ihr über die Verhältnisse im Iran. 1979, noch vor dem Sturz des Schahs und der Gründung der Islamischen Republik Iran, kehrte er in den Iran zurück. Nach dreijährigem Aufenthalt im Iran ging er abermals ins Exil, zunächst wegen Visumsproblemen nach Paris und anschließend wieder nach Berlin. Nirumand setzt sich nach eigener Aussage für die Freiheit im Iran ein. Er geht davon aus, dass die Kräfte um Ahmadinedschad sich nur künstlich am Leben halten können, weil es Terror und Bedrohung durch den Westen gebe, ebenso wie die Androhung von Sanktionen und Kriegen, die das Regime weiter stärkten. Der Rückhalt in der Gesellschaft sei viel geringer. Es gebe Künstler, Frauen und die Massen der Jugend, die sich nicht radikalisieren ließen und nach Freiheit strebten. Im Westen werde das Bild des Iran jedoch auf das islamistische Regime reduziert. Bahman Nirumand ist Autor zahlreicher Bücher und schreibt Artikel – unter anderem für Die Zeit, den Spiegel, Die Tageszeitung, Frankfurter Rundschau und andere deutsche und internationale Blätter; zudem hat er zahlreiche Rundfunk- und Fernsehbeiträge verfasst. Er veröffentlichte unter anderem eine Khomeini-Biographie, Mit Gott für die Macht, sowie Feuer unterm Pfauenthron. Verbotene Geschichten aus dem persischen Widerstand, Iran – hinter den Gittern verdorren Blumen und Sturm im Golf. Die Irak-Krise und das Pulverfass Nahost. Er hat darüber hinaus einige literarische Werke aus dem Persischen ins Deutsche übertragen, darunter Werke von Sadegh Hedayat, Gholamhossein Saedi, Samad Behrangi.

Ein Gedanke zu „FriedensGala der AnStifter Sonntag, 21. November 2010, 16.30 Uhr, im Theaterhaus Stuttgart

  1. „Präsentiert werden Arbeiten, die im Rahmen eines von den AnStiftern ausgeschriebenen internationalen Plakatwettbewerbs eingesandt wurden.“ – werden alle eingesandten Plakate gezeigt? Wie lang dauert die Ausstellung?

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