Liebe Freundinnen und Freunde,

bisher fällt es uns relativ schwer, ausreichend Leute für Nachtwachen zu bekommen. Bei den Blockaden (Bagger, Abtransporte) war es für die Polizei (Wir machen den Weg frei) immer sehr leicht, die Blockaden aufzulösen. Es waren einfach viel zu wenig Menschen da, die sich da – oder auch dort – hinsetzen und blockieren. Zeltstadt, Baumhausräumung – all das konnte relativ leicht „erledigt“ werden. Hunderte von Stuttgarterinnen und Stuttgartern, die an den letzten Wochenende zum Nordflügel strömten, hatten keinen Diskussionspartner – das Infozelt war zu dicht umlagert, aber die (besuchenden) Menschen standen ratlos vor den Ruinen und fanden selten jemanden von uns, den sie ansprechen konnten.. .Den Befürwortern wurde viel Raum gegeben … Das zeigt auch ein wenig unserer Schwäche. Viele Menschen möchten sich aktiv „einbringen“, wissen aber nicht wie und wo, viele wollen aktiv werden, auch spontan etwas tun. Die Aktiven von uns sind überlastet, kaum in der Lage, die Fülle von (eMail -)Nachrichten zu lesen – oft gelingt es nicht einmal, aktuelle Fragen zu beantworten, geschweige denn an den Debatten teilzunehmen….

Wie unsicher die Befürworter werden, zeigen Übergriffen – gestern wurde ein alter Mann im Hbf von einem Befürworter umgestoßen, Gegner von S21 werden immer wieder beleidigt (Bezahltes Pack, Berufsdemonstranten, Asoziale, Hetzer), bedroht (telefonisch, brieflich, eMail), „Wenn ich Sie mit diesem Button am Volksfest sehe, kriegen Sie einen Bierkrug aufs Hirn“: Sachbeschädigungen an Briefkastenanlagen, Autos, Garagen sind da geradezu harmlos. Abgesehen von der adligen FDP-Freihfrau von Stein ist leider auch unser OB daran nicht unbeteiligt, wenn er die Montagsdemo als Hetzveranstaltung diffamiert.
So sehr ich Zorn und Wut und Frustration verstehe: Die Bürgerbewegung lebt davon, dass sie immer größer wird. Sie wird weiter wachsen, wenn wir uns nicht zermürben lassen, wenn unser Widerstand schärfer wird und friedlich bleibt, wenn wir Fantasie und Kreativität einsetzen. Nicht provozieren lassen. Hirn gegen Arroganz und Gewalt.
Und im Auge behalten, wer hinter S21 steckt:

– die Freunde der Laufzeitverlängerung von AKWs
– die Freunde des Afghanistan-Einsatzes
– die Freunde der Bahn- und Wasser- und Kommunal-Privatisierung
– die Freunde der Staatsverschuldung
– die Freunde, die im Aufsichtsrat der Hypo Real Estate sitzen
– die Freunde, die ihre Freunden von der HRS 25 Millionen Bonus gewähren
– die Freunde der Gesundheits“reform“ und
– die Freunde von Hartz-IV,
– die Freunde, die uns die Bankenpleite zahlen lassen
– die Freunde, die das Versammlungsrecht kappen wollen
– die Freunde, die die Bundeswehr im Landesinneren einsetzen wollen
– die Freunde, die das Streik- und Tarifrecht einschränken wollen
– die Freunde, die die lückenlose Überwachung der Gesellschaft forcieren
– die Freunde, die der CDU/CSU und der FDP den Wahlkampf bezahlen
– die Freunde, die am Tunnelbau profitieren
– die Freunde, die Billigarbeiter aus der Ukraine anheuern
– die Freunde, die mehr Straßen und Autobahnen durchsetzen
– die Freunde, die die deutschen Bahnstrecken nicht sanieren und pflegen
– die Freunde, die Bahnstrecken stilllegen und den Service auf Eis
– die Freunde, die für den Landschaftsverbrauch verantwortlich sind
– die Freunde, die Feinstaubregelungen blockieren
– die Freunde, die ihren Atommüll kriminell ablagern
– die Freunde, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel,
– die Freunde, die ihre Gelder in Luxemburg und der Schweiz bunkern
– die Freunde, die sich alle unter einer dicken Filzdecke wärmen

3 Gedanken zu „Liebe Freundinnen und Freunde,

  1. Ist dieser Artikel eigentlich Satire oder ernst gemeint?

    Die Auflistung mit Gedankenstrichen, wer hinter Stuttgart 21 stehen sollte, ist doch billigster Populismus und Hetze.

    Wie passt das zum Motto der Anstifter, sie stünden für Toleranz?

    Was mir zudem missfällt ist der einseitige Vorwurf, die „Befürworter“ würden beleidigt. Toleranz fängt damit an, beide Seiten zu sehen. Beleidigungen sind abzulehnen, aber:

    Seit Wochen ist es umgekehrt viel krasser. Ich erinnere mich daran, wie ein Freund von mir als „Spießer“ beschimpft wurde, als er einen angebotenen Anti S21 Flyer dankend ablehnte.

    Ich erinnere mich an die verbale Aggression, die einem teilweise entgegenschlägt, wenn man an der Abrisstelle bekennt, für den Abriss zus ein.

    Ich erinnere mich daran, dass in den heute-Nachrichten eine Frau sich gegenüber einem TV Team positiv über S21 ausließ und sofort von einer beistehenden Dame unterbrochen wurde…

    1. Hallo, Hr. Bender, schön, dass Sie dabei bleiben. Zu Ihrer Anmerkung kann ich nur sagen, dass wir nicht das ZK sind und es manchmal vorkommt, dass Sie hier Texte lesen, die dadurch für Toleranz stehen, dass Sie sofort darauf reagieren und Ihre Meinung sagen können. Dafür bedanke ich mich.

  2. Danke für die Antwort. Verwechseln sie da nicht Meinungsfreiheit mit Toleranz?

    Seine Meinung frei zu äußern sollte aufgrund des schönen Art. 5 Grundgesetz eigentlich selbstverständlich sein.

    Toleranz ist es (leider) nicht. Auf einen Vergleich mit einem ZK wäre ich jetzt gar nicht gekommen. Aber wenn Sie es schon thematisieren: Vereinfachtes Freund-Feind denken war stets Zeichen von Intoleranz und Auslöser von Gewalt. Ob zu Inquisitionszeiten in der Katholischen Kirche, im Kaiserreich, im Dritten Reich oder in der DDR. Steter Tropfen höhlt den Stein. Bleibt zu hoffen, dass Sie ihn mit solchen Kommentaren nicht im Ergebnis ebenfalls höhlen – denn das wollen Sie sicher selbst nicht!

    Viele Grüße und frohes Protestieren

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