Gastbeitrag
Vom Wesen des Berufsdemonstranten

Anlass:

Wir erleben immer wieder Politiker die kurz vor ihrem politischen Ende Begriffe prägen, die für sie zum Bumerang werden. Drexler wird wohl in die politische Geschichte eingehen als der, der dem Unwort „Unumkehrbarkeit“ große Bekanntheit verschafft hat und als er dieses Wort zum allerletzten unschlagbaren Argument hochstilisiert hatte, beauftragte seine eigene Partei ein Rechtsgutachten, das die juristische Möglichkeit der Kündigung der S21-Verträge attestierte. Nun ist Herr Mappus seinem Beispiel gefolgt und ficht mit dem Wort „Berufsdemonstranten“ gegen sein aufrührerisches Volk an. Um es genau zu sagen: eine bestimmte Umweltorganisation, die ihren guten Ruf vor allem durch gewaltlose Aktionen erworben hat, soll laut Mappus durch Gewaltbereitschaft der Polizei das Leben schwer machen. Wie so oft bei den Kriminalisierungsversuchen, die den bürgerlichen Protest diskreditieren sollen, fehlen zu dieser Behauptung natürlich Beweise. Man nennt das ja: die guten Argumente überwiegen.

Bevor wir nun aber Herrn Mappus wegen Verleumdung verklagen, sollte der Begriff: Berufsdemonstrant neu mit Leben gefüllt werden. Warum? Herr Mappus hielt es für notwendig, vor das Wort Demonstrant zwei Worte zu setzen: „gewaltbereit“ und „Berufs-„.

Tatsachen

Nun wissen wir, dass im Gegensatz zur gewaltmonopolisierten Polizei, Robinwood im besonderen und die aktiven Parkschützer im allgemeinen sowie der ganze bürgerliche Protest über fast schon ein Jahr definitiv und gewollt gewaltfrei sind, von irgendwelchen durchgeknallten oder konstruierten Einzelfällen einmal abgesehen. Wer den Aktionskonsens der Parkschützer kennt, weiß, dass die Gewaltfreiheit, zu der auch gehört, dass die Polizei nicht unser (politischer) Gegner ist und selbstverständlich auch nicht beleidigt werden soll, bei allen Trainings fester Ausbildungsbestandteil ist. Was darüber hinaus das aussergewöhnliche von Robin Wood ausmacht, sind besondere Fähigkeiten im Bewohnen von Bäumen und Vorrichtungen, die schnelles Räumen ohne Körperverletzung der Aktivisten unmöglich machen, folglich eine sehr mühevolle Räumungsarbeit der Polizei. Hier beginnt also eine bestimmte Professionalität, die erlernt und geübt sein will und die die Sondereinheiten der Polizei schon auch mal in Verlegenheit bringt.

Hier kommen wir dem Begriff Berufsdemonstrant schon näher. Der andere Aspekt ist die Frage der Entlohnung, die heutzutage aus dem Beruf den Job macht. Da wo die Kapitalverwertung und die abhängige Erwerbsarbeit in einer vermaledeiten Komplizenschaft nicht nach dem Ziel der Arbeit fragen, sondern auschließlich nach dem Verdienst oder der Rendite, fängt das Söldnertum an.

Konzept

Das Gegenbild ist der Beruf, bei dem der Mensch einem inneren Ruf folgt, sprich: sich berufen fühlt und sein Streben nach einer Qualifizierung für diese Tätigkeit beginnt. Und wie schon oben erwähnt: Zum Demonstranten der bei diesen politischen Verhältnissen etwas erreichen will, ist man nicht einfach geboren, man muss sich eine Reihe von Fähigkeiten erwerben. Mehr darüber in den Parkschützertrainings, die nach wie vor angeboten werden.

Wenn man also den Begriff Berufsdemonstrant ohne das Attribut „gewaltbereit“ betrachtet, kommt man mit etwas politischem Wohlwollen durchaus zu etwas Erstrebenswertem. Um dies vor einer beliebigen Interpretierbarkeit zu schützen, schlage ich das Attribut „selbständig“ vor.

Der selbständige Berufsdemonstrant hat sich Fähigkeiten erworben, das Demonstrationsrecht so auszuüben, dass es staatstragend, und Demokratie-ergänzend bzw. -weiterentwickelnd wirken kann. Es reicht im 21.

Jahrhundert nicht mehr, zahlreich zu einer Kundgebung zu erscheinen und einem Umzug zu folgen und etwas Lärm zu machen.

Selbständige Berufsdemonstranten können mehr:
– sich in Gruppen organisieren, über SprecherInnen mit anderen Gruppen kommunizieren.
– im Konsens Aktionen planen, die eine politische Aussage medienwirksam in die Öffentlichkeit bringen, wo sonst die Presse schweigt.
– sie sind keiner Partei verpflichtet und machen ihre Aktionen selbstverständlich ehrenamtlich.

Das Gegenbild dazu ist der Berufspolitiker. Wir müssen dazu nicht ins Detail gehen.

Ziel

Schließlich hat sich heute im mittleren Schloßgarten eine kleine Initiative gefunden, den Begriff „Berufsdemonstrant“ in seiner positiven Bedeutung zu schützen. Zu danken ist es der „Jugendoffensive“, die hier mit einem Großettiket schon Vordenker-Arbeit geleistet hat.

Wir geben alten Worten neues Leben.

Gegen unsere Lebendigkeit seid ihr machtlos!

Oben bleiben!
(Uwe Mannke)

Siehe auch: [http://www.bei-abriss-aufstand.de/aktionskonsens/]