Bürgerbrief Nr. 10

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! „Reden ist besser als schlagen“, sagte meine Oma Glimbzsch aus Zittau gern. Insofern muss sich unsere Bürgerbewegung einiges einfallen lassen, was die Einladung an den Oberbürgermeister angeht: Werden wir, nach dem 1-minütigen Schwabenstreich zum Empfang von Schuster, die Souveränität aufbringen und zuhören? Auch wenn uns die Galle hochkommt? Ich hoffe, daß es gelingt! Es wäre ein grandioses Zeichen unserer Stärke. Es würde zeigen, dass wir stärker sind als „die da oben“, die Schuster, Drexler, Mappus, Grube, dass wir den besseren Kenntnisstand haben, die besseren Argumente. Die da oben werfen mit dem Geld nur so um sich (mit unserem Geld), um uns den Schneid abzukaufen: Mit einer peinlich zu nennenden Werbekampagne, mit der Aufforderung, die „Pepperle“ Kein Stuttgart 21 abzureißen und ins Rathaus zu bringen – meine Güte, wie tief sind wir gesun- ken! Zugleich macht man sich große Sorgen um die Kommunikation in der Stadt, hat Angst vor Argumenten und verschließt die Rathaustüren. Eine total vermummte Sondereinheit der Polizei holt eine Handvoll mutiger Leute von Robin Wood vom Dach, Verfassungsschutz observiert das Gelände, das Landeskriminalamt durchforstet nicht nur die offiziellen Webseiten von Parkschützern, sondern greift auf alles zurück, was sich irgendwie mal gegen die Bürgerinnen und Bürger verwenden läßt. Nahezu jede Kund- gebung und Demonstration wird von der Polizei per Video aufgezeichnet – doch der wackre Schwabe fürcht’ sich net! Vor allem, wenn ihm dann nette Kollegen aus der Polizei stecken, dass es Krach gab wegen der wohl illegalen Video-Aufzeichnungen und der digitablen Fotograsserei.
Schuster hin, Drexler her: Was halten Sie davon, wenn wir uns am Sonntag, den 19. September um 11 Uhr am Marktplatz Stuttgart treffen? Zum ersten Stadtgespräch unter dem Motto: Gegner [Anm.d.Red.: dieser Termin findet nicht statt und wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben]
bewirten sich?! Jede, jeder bringt an diesem Morgen zum späten Frühstück soviel mit, daß er (oder sie) den anderen / die andere bewirten kann: Selbst gemachte Marmelade oder Gutsle, Kaffee und Kuchen oder bissle Salat in der Tupperschüssel? Und, wenn’s recht ist, zwei Klappstühl’ oder Hockerle – einen für Dich, einen für Deinen Gegner. Und, natürlich, da braucht’s auch ein Tischle und zwei Löffele und man isst anständig, wie die echten Deutschen, mit Messer und Gabel! Auch etwas Hausmusik wäre ange- sagt, und die Fähnele, die könnten an dem Sonntag in der Garage bleiben.
Über die Jahrzehnte war Stuttgart eine liberale und tolerante Stadt. Sie hat die politischen Flüchtlinge aufgenommen, hat Asyl gewährt, ist heute Heimat für Menschen aus 180 Ländern der Erde. In Stuttgart kann man zweierlei Meinung sein, Mehrheit hin, Minderheit her. Neu ist diesmal, dass die Minderheit die Macht hat – und wir, die Mehrheit, die bessere Laune. Das ist viel.
Dass es die Stadt „verreißt“ wegen unter- schiedlicher Meinungen, ist eher ein Gerücht. Demokratie braucht Widerspruch und Streit. Also, lasst uns die Messer wetzen, wenn wir an die Wurst gehen und das Brot teilen.
Mag sein, daß die Idee eines ersten Stadt- gesprächs ins Wasser fällt, weil es regnet (oder schneit – woran mit Sicherheit die Befürworter Schuld haben). Oder daß nur ich komme und die Gudrun und der Werner und die Polizei. Oder dass es der Gangolf doof findet. Oder dass Sie koine zwoi Stühl’ hent. Dann nehmen Sie den neben mir.
Ich freue mich, wenn Sie die Idee gut finden. Und wenn Sie mir schreiben, ob Sie dabei wären, wenn’s zum Äußersten kommt: Gegner bewirten sich.
Beim Stadtgespräch I Am 19. September auf dem Marktplatz. Ihr Peter Grohmann