S21
Tricksen und täuschen. Eine Presseschau.

Die Anzahl der Meldungen zum leidigen Stuttgarter Kellerbahnhof hat sich in den wichtigsten deutschen Tageszeitungen von gestern 110 auf heute 181 Meldungen gesteigert. Ein Blick in die Überschriften zeigt die allgemeine Stimmung in der Berichterstattung. So verwendet die Berliner Zeitung die Überschrift „Tricksen und täuschen. Das Bahnprojekt Stuttgart 21 hat seine politische Legitimation verloren.“ In Niedersachsen betitelt die Hannoversche Allgemeine Zeitung heute einen großen Dreispalter „Mit wachsender Wut gegen Stuttgart 21“. Die im „Ländle“ erscheinende Heilbronner Stimme fasst zusammen: „Nutzlos und teuer“. Der Mannheimer Morgen versucht es etwas neutraler, wenn er richtig feststellt „Stuttgart 21: Neue Demonstrationen unter verschärften Sicherheitsbedingungen. Projekt sorgt für Spannungen bei SPD und DGB.“ Das Schwäbische Tagblatt versucht es „regierungstreu“ und abwiegelnd mit der Überschrift „‚Basta‘ geht jetzt nicht mehr“. Die in Tübingen starke Tageszeitung fragt sich, was sich auch Schuster, Mappus, Grube, Drexler und Verwandte fragen: „Wieso wird der Protest gegen Stuttgart 21 (S 21) erst jetzt so massiv, obwohl das milliardenteure Projekt seit Jahren bekannt ist?“ Um es scheinbar aber gleich richtig zu stellen resümiert der Staatsanzeiger Baden-Württemberg in seiner heutigen Ausgabe treffend „Kein Ende im Streit um Stuttgart 21 absehbar“. Die zum konservativen Spektrum der deutschen Medienlandschaft zählende Rheinische Post in Nordrhein-Westfalen macht in ihrer Ausgabe heute Platz für einen Artikel mit knapp 700 Worten: „Schwaben auf den Barrikaden“. Selbst dieses, in mehreren Dutzend Lokalausgaben erscheinende Blättchen mit einer Gesamtauflage von über 200 000 Exemplaren folgt ganz und gar nicht den Bemühungen der Öffentlichkeitsarbeiter von Stuttgart-21, wenn es bekannte Sachverhalte noch einmal auch für die Bewohner zwischen Emmerich und Düsseldorf deutlich macht: „Eine zweite, für das Umweltbundesamt erstellte Studie, kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Stuttgart 21 im Verbund mit der Neubaustrecke nach Ulm mehr schadet als nutzt.“ Und in derselben Wunde bohrt sogar Springers „Welt“ wenn sie unter der Überschrift „Das Elend der Fortschrittsfreunde“ schreibt, dass man sich nicht wundern darf, „dass Stuttgart 21 auf den letzten Metern vor dem Baubeginn zum Skandal- und Mobilisierungsthema geworden ist“. Aber was wäre die Welt ohne die „Welt“. Springers blaues Blatt führt denn auch aus, dass „das Aufbegehren gegen Stuttgart 21 in der Fantasie einiger Organisatoren den Charakter eines Volksaufstandes annimmt, der durchaus undemokratische Züge trägt“. Aha! Was in diesem Sinn „undemokratisch“ ist führt die Neue Zürcher Zeitung aus, wenn sie die Waffen der Undemokratie beim Namen nennt und titelt „Mit Trillerpfeifen gegen «Stuttgart 21»“. In der Region stellt die zur Gruppe der Stuttgarter Zeitung gehörende Marbacher Zeitung fest, dass „Stuttgart 21 so sehr in den Landkreis hinein strahlt, dass sich nun auch hier der Protest formiert.“ Nichts als peinlich wird es, wenn sogar der bereits zitierte Staatsanzeiger Baden-Württemberg im Zusammenhang mit dem Argument der Schaffung so vieler Arbeitsplätze in der Region den bereits in der letzten Sendung von Frontal 21 erwähnten Sachverhalt noch einmal schriftlich vorträgt: „Schwarzarbeit auf Baustelle von Stuttgart 21“. Ach Du großer Gott, hört man Frau Mappus rufen, die ihrem Mann heute morgen ganz bewusst keine frischen Unterhosen hinlegt, … „das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist jetzt auch noch ins Visier der Finanzkontrolle Schwarzarbeit geraten.“ (bk)