Liebe Radiomacher/innen,

die „Kritik“ von Burkhard an meinem Beitrag hat mich zunächst sprachlos gemacht, weil ich angenommen hatte, dass er aus den offen geführten Gesprächen über die Art und Weise, in der er meint, Kritik üben zu müssen, gelernt hat. Diese Annahme hat sich als Illusion herausgestellt.

Die Kritik an meinem Beitrag ist teilweise unverschämt, ist respektlos und sie ist hochgradig dumm. Nicht der Beitrag ist „unzumutbar“ sondern diese „Kritik“. Unverschämt ist sie im Ton. Respektlos ist sie gegenüber meinen Interviewpartnern. „Dieser Nestle“, den Burkhard „unter anderem Namen schon aus dem letzten Beitrag über das KZ Hailfingen-Tailfingen gehört“ hat, ist ein engagierter und ernsthafter Streiter gegen Stuttgart 21 (Parkschützer und Demo-Beobachter) und er ist, nebenbei gesagt, ein kluger Mensch. Ähnliches lässt sich über den in meinen vorletzten Beitrag (mein letzter Beitrag war der über Fritz Bauer mit dem Interview mit dem Richter Klaus Beer) interviewten Volker Mall sagen. Burkhard meint wohl, seine Anmerkung „Nestle unter anderem Namen“ sei witzig. Sie ist respektlos und zudem ziemlich blöd.
Von großer Ahnungslosigkeit geprägt und schlicht dumm ist die Abqualifizierung meines Beitrags als kalter Kaffee und das Bekenntnis, dass, wenn dieser Beitrag die „Auseinandersetzung gegen S21“ (nur am Rande: Auseinandersetzungen werden „um“ eine Sache und nicht „gegen“ eine Sache geführt/bitte denken beim Schreiben) widerspiegele, sei er, Burkhard, dafür, „den ganzen Bonatzbau mit einzugraben“ (soll das witzig sein?).
Wie ich im Vorspann sage, werfen die Äußerungen der Politiker Drexler, Stradinger und Blind zur Besetzung des Nordflügel-Gebäudes ganz grundsätzliche Fragen auf, nämlich:
1. Wo endet friedlicher Protest/ziviler Ungehorsam und wo beginnt Gewalttätigkeit/Gewalt aus der Sicht der sich gegenüber stehenden Kontrahenten.
2. Müssen friedliche Proteste nicht ins Leere laufen, wenn S21 als unumkehrbar bezeichnet wird?
3. Provozieren die S21-Verantwortlichen mit ihrer sturen Verfechtung des Legalitätsprinzips (die zuständigen gewählten Gremien haben S21 rechtmäßig beschlossen) nicht offene Gewalt?
4. Wie ist mit einer Situation umzugehen, wo die eine Seite völlig zurecht sagt „Die Beschlüsse pro S21 sind legal und demokratisch legitimiert“ und die andere Seite aus ihrer Sicht mit ebenso großer Berechtigung feststellt, dass dem Projekt S21 die Legitimität im Sinne einer Befürwortung durch eine Mehrheit der Bevölkerung, im Sinne des pfleglichen Umgang mit der Natur, mit einem Baudenkmal und mit Steuergeldern usw. abgeht.
5. Was muss man von Abgeordneten erwarten, wenn wir von „verantwortlichem Handeln „ der gewählten Volksvertreter in einer repräsentativen Demokratie sprechen?

Wie gesagt: Das sind ganz grundsätzliche Fragen, auf die sich auch der interviewte Konrad Nestle in sehr ernsthafter Weise einlässt. Es sind Fragen, die in den kommenden Wochen und Monaten ihre Brisanz offenbaren werden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. So sehen das übrigens auch Schüler meines letzten Politik-Leistungskurses /jetzt sind es Studenten), die mich letzte Woche besucht haben und denen ich die derzeitige S21-Lage geschildert habe. Sie haben sich sofort an unsere Debatten über „Legalität und Legitimität demokratischen Handelns“ am Beispiel der Auseinandersetzungen um die Frankfurter Startbahn West in den 70er/80er Jahren erinnert. Das tue ich euch gegenüber jetzt auch und empfehle euch die Lektüre der webside www.evangelisch.de/themen/gesellschaft/startbahn-west-wer-nicht-kaempft-hat-schon-verloren6146. Da lässt sich einiges lernen.

Vor diesem Hintergrund: Ist mein Beitrag tatsächlich „Kalter Kaffee?

Ich bin bei meinem Eintritt in die Redaktion des AnstifterFunkens davon ausgegangen, dass neben der Musik, neben dem Parlando lockerer Gespräche und mehr oder weniger geistreichen Kommentaren der Moderatoren auch ernsthafte und anspruchsvolle, auch strittige, Themen, Themen, die auch Anforderungen an die Hörer stellen, ihren Platz in den Sendungen haben. Ich weiß von Hörern der Sendungen, die seit April von uns gemacht wurden, dass sie diese Mischung schätzen und dass sie nicht alle Beiträge als zu lang empfanden. Burkhard auf seinem Beckmesser-Thron scheint anders zu ticken. Statt „AnstifterFunken“: „SeichtRadio“. Ich habe da keinen Platz und muss mir dieses ganze eitle Getöne nicht antun. Ich stelle hiermit meine Mitarbeit im AnstifterFunken ein.

Helmut

0 Gedanken zu „Liebe Radiomacher/innen,

  1. Okay, Helmut, meine Kritik ist hochgradig dumm, respektlos, unverschämt, unzumutbar, ahnungslos. Dazu sitze ich auf einem Beckmesser-Thron und bin für SeichtRadio.
    Entschuldige!
    Ich würde mich freuen, wenn Du Deinen Rücktritt rückgängig machtest und die hochgradig dumme, respektlose, unverschämte, unzumutbare und ahnungslose Kritik nicht so ernst nähmest. Komm doch einfach heute zum Redaktionstreff und dann „fetzen“ wir uns ein wenig im Sinne ernsthaften und anspruchsvollen Miteinanderumgehens. Ich würde mich freuen!
    Erlaube mir noch die überflüssige Bemerkung, dass ich in meiner Kritik nichts über Hrn. Konrad Nestle als Person gesagt habe, sondern nur über seine Verwendung durch Dich in Deinem Beitrag – ich kenne Hrn. Nestle ja gar nicht.
    Trotzdem finde Ich, dass Dein Beitrag ist zu lang ist und er nicht auf den Punkt kommt. ;0)