Dem Gelöbnis zum Geleit (Peter Grohmann am 30.07.2010)

Es gilt das gebrochene Wort

Hochverehrte Damen und Herren, liebe Zuhörerinnen hier am Tor zur Welt,
an der europäischen Magistrale, liebe Zuhörerinnen zu Hause an Radio, Fernsehen und Internet!

Ein herzliches Grüß Gott von hier an die beiden christlichen Kirchen und ihre Militärbischöfe, an die Gläubigen in der Eberhardskirche, an unsere Jungs und Mädels in Afghanistan, am Kap der guten Hoffnung!

Ja, das braucht es heute – gute Hoffnung, und so begrüße ich auch die vielen Frauen
in den Opiumfeldern bei und Kundus, die guter Hoffnung sind, noch, wie ich einflechten darf, hihihi, noch!

Ein Salü an die inzwischen wieder angeschlossenen Länder Österreich, in die die deutsche Schweiz, nach Togo, an die deutsche Neger, nach Deutsch-Südwestafrika, Elsaß und Lothringen!
Ein Hoch nach Schlesien, Pommer, Ostpreußen! Nach Böhmen, Mähren, in die tschechoslowakische Sakristei!

Wir melden uns heute direkt und life aus der wundervollen Stuttgarter Metropole,
eine prächtige Kulisse, wie selbst die Kulissenschieber der Stuttgarter Zeitung zugeben müssen, Sie hören unsere Stimme aus der schwäbischen Republik, grüßen von hier aus das revolutionäre Baden und Friedrich Hecker, Vorbild gewissermaßen uns allem im Kampf für Recht und Freiheit, gegen Despoten und irre Obrigkeiten!

Stuttgart, jene herrliche Heldenstadt an den Gestaden des Nesenbachs, einer Stadt, die wieder stolz sein kann – und stolz ist! – auf ihre Jungs und Mädels, auf Leute wie Lilo Herrmann und Georg Elser und Friedrich Schlotterbeck, vor denen Zivilisten wie Soldaten
den Hut ziehen sollten, ja, sich eine Scheibe abschneiden müssten. Menschen mit Schneid und Zivilcourage – daran fehlt’s.

Wenn aber heute die Feldgrauen, die tapfer und treu zu Volk und Führer – Entschuldigung, es muss heißen: zu Volkswagen und Führerschein – …ich unterbreche für eine kleine Zigarettenpause … so: wo war ich stecken geblieben? Ach, hier:

Hier, gewissermaßen im After zwischen Maul und Maultaschen, in der schwäbischen Hauptstadt, Nahe der Siegessäule, der Jubiläumssäule, wo die tapferen Kameraden Walter Sittler und Volker Lösch am Mittwoch das aufmüpfige Volk um sich versammelten –
hier, auf unserem deutschen Platz des himmlischen Friedens, grüße ich Sie und alle anderen Verräter! Sorry, sehe eben, ich habe mich verlesen: Es heißt: Vertreter!

Ja, meine Damen und Herren, das sind die Versprecher der deutschen Geschichten, eine Geschichte voller Mißverständnisse und mißglückter Attentate, volle Novemberrevolutionen, bei denen man die Könige frei herumlaufen ließ wie heute die Kameraden von der Bundeswehr.

Ws wir von hier an diesem Freitag, dem so genannten Schwarzen Freitag,
zum Tag der Menschenrechte allen wünschen, ist. Himmlischer Frieden!

Trotz des eisigen Ostwinds haben sich um uns herum hunderte, ach, was sag ich,
Tausende, nein Zehntausende jubelnder Stuttgarterinnen und Heslacher eingefunden,
sind an diesem denkwürdigen Tag hergeströmt zum Ehrentag des Meineids, um den siegreich ausrückenden Truppen ein letztes Geleit zu geben. Ein Geleit zu den wichtigsten Kampfplätzen, um weit, weit aber von Vater und Mutter die deutsche Heimaterde und das Recht und die Freiheit am deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.

Für deutsche Menschenrechte.
Für deutsches Öl, und wenn es Olivenöl aus Griechenland wäre!
Für deutschen Handel! Und so rufe ich von hier aus allen Ungläubigen zu:
Hindu, kusch!

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Truppen aus der Türkei, aus Türkisch-Kurdistan,
Luftlandetruppen und Boden-Truppen aus dem Kosovo, Truppen aus Tschetschenien,
Wassertruppen aus der Golf-Region, von den tibetanischen Menschenrechtsplätzen,
Truppen aus Afghanistan, den Südstaaten der USA…
Truppen … Truppen … Truppen!

Vor uns nun aber aufgebaut die Ehrentribüne, von der herab ich Sie informiere und
an der die Tapfersten der Deutschen in wenigen Minuten vorbeimarschieren werden.

Neben dem Bundesminister für Verteidigung Freiherr von und zu Guttenberg – da drüben
im Kampfanzug und Stahlhelm, der lässig am kleinen Finger baumelt, die frühere Staatssekretärin Angelika Beer von den Olivgrünen, seine Begleitung in jüngster Zeit, und da munkeln die Stuttgarter Nachrichten allerlei – nanana!
Sie in schmucker Pfadfinder-Bluse, zwei Knöpfe zuviel offen, das Bundesverdienstkreuz am Bande baumelt lustig als Ohrring. Im flotten Handtäschchen aus Krokodilsleder der , Mütterorden… Man tut, was man kann.

Auf und unter Ehrentribüne hochdotierte Persönlichkeiten: der einst mit gut 12,2 Milliarden gehandelte Bahnchef Rüdiger Grube, zum einfachen Gefreiten degradiert, gut sozialdemokratisch gescheitelt, im schlichten Feldgrau, die Kalaschnikow adrett über die Schulter geworfen…
Neben ihm der deutsche Außenminister Guido Westerwille, in schicken Shorts von bruno banani, das Schweißtuch Jesu um die Hüften gewickelt, um notdürftig die neue Mitte abzudecken.

Ja, alle, alle sind sie heute gekommen: Amtsrichter und Volksrichter, Schiedsrichter, Unterrichter, Abrichter, Zurichter, eingebürgerte Müllmänner, Taxipfarrer, evangelische Pfarrer, Hausmänner mit ihren römischen Kampfhunden, Lobbyisten, Entristen, Maoisten, Militaristen, aber auch Obristen wie die beide Generale Pinochet und Franco, die drüben bei Wittwer eben den Stadtführer für Männer erworben haben. . .

Aber jetzt erklingt, meine Damen und Herren, hier am Schloßplatz und zu Hause in den Weinkellern, leise das Brandenburgische Konzert von Friedrich dem Grossen,
von Generalinspekteur Schneiderjan persönlich dirigiert …

Beifall brandet auf, Jubel, durchmischt von zackigen Hurras einer Delegation
der Altentagesstätte am Herdweg …

Alle Württemberger fallen nun den Sachsen in die Arme, den früheren Soldaten der
NVA, der Nationalen Volksarmee, die nun auch im Gelöbnis mit unseren wiedervereinigt ist. Bayern fallen den Hessen an den Hals, Päpste küssen den Boden des Schloßplatzes
Gysi küsst Merkel, Schalke-Golodkowski küsst eine Milosewic-Puppe, Stauffenberg küsst
Erwin Rommel, Cannstatterinnen küssen versehentlich Polizeipferde, die nun hocherfreut mitten im Konzert wiehern.

Aber da sehe ich Sie:
Sie kommen! Vorneweg die blitzsauberen Kübelwagen von Daimler-Chrysler-Debis,
geschützt von der Jungen Garde der Zivildienstleistungen aus dem Bürgerhospital
die heute Ausgang haben, Kriegsgewinnler von gestern,

direkt dahinter nun die Mappus-Schuster-Drexler-Gruppe in kugelsicheren Westen,
ein schlichtes Transparent aus recycelbarer Graupappe hochhaltend:

Hier schlägt der neue Scherz Europas
Wunderbare tibetanisch-mazedonische Volkslyrik, natürlich frei übersetzt.

Ihnen folgt ein Trupp tapferer Tornado-Piloten, den Blick geradeaus in eine sonnige Zukunft. Ja, sie alle, die vor zwei-drei Jahren noch um ihren Arbeitsplatz fürchteten,
haben nun solide Arbeitsverträge in der Tasche, auf lange Zeit. Voller Stolz ziehen sie einen selbst erbeuteten Handwagen, voll beladen mit Handfeuerwaffen aus Oberndorf,
und elektronischem Gerät. In ihrem Gefolge wichtige Persönlichkeiten des deutschen Widerstands – um nur einige Namen zu nennen: Bertold Beitz, Arthur Holzmann,
Grete Weiser, Armani, Boss, Staatssekretär Globke, General Speidel, das braune Ei,
Max Schmeling, Leni Riefenstahl. Und dahinter in schlichter Knast-Uniform: Gerhard Schröder, Freund Putins – zwei kleine Männer der Geschichte, für diesen Freitag von der Leine gelassen,
ich sehe Filbinger, der Kiesinger in einem kleinen Rucksäcke mitgebracht hat … niedlich!
Neben ihm Graf Zeppelin, geschoben von Wolfgang Schäuble, der mit einer Märklin-Eisenbahn spielt, und da, endlich, endlich: der Veteran der christlichen Panzertruppen,
Helmut Kohl, ach, was für ein gekonnter Schwindler vor dem Herrn. Allesamt Ehrengäste der Bundeswehr-Pressestelle.

Neben von und zu Guttenberg entdecke ich jetzt Jerry Cotton, Wolfgang Schorlau,
Peter Grohmann, den scharf schießenden Helden der Arbeiterklasse. Neben ihm Franz Beckenbauer, der Grohmann ermuntert über die Schultern schaut. Und Michael Ballak, der die Grüße der Freien deutschen Jugend aus Bautzen überbringt.

– alle den Tränen nahe….

Fast allein jetzt unser Ehrengast General Woroschilow, Hand in Hand mit Egon Krenz,
direkt neben ihm Erich Honecker in knappsitzenden Shorts, mit dem roten Halstuch winkend, kaum noch zu erkennen Wilhelm Pieck, ein Schatten seiner selbst, Walter Ulbricht, Dr. Martin Luther King in seinem berühmten Wartburg . . .Ja, er hat den weiten Weg von Eisenach tatsächlich noch einmal angetreten.

Neben Lothar Späth, der aus Jena herbeigeölt ist, Otto Graf Lambsdorff, der aus einem feinen Leinensäckchen Münzen unter die Zwangsarbeiter wirft – ach, wie sie sich ducken,
wie sie die Geldstücke zu fangen versuchen – ein herrliches Bild – aber man sieht auch, dass sie die besten Jahren in den deutschen KZs längst hinter sich haben ..

Dort drüben von links jetzt: Auf einem alten Güterwagen der Reichsbahn ein harmloser Castor-Behälter, geschoben von schußsicheren Einheiten der Göppinger Bereitschaftspolizei, – der Mann mit den vielen Mikro und dem Sackschutz, der vorweg marschiert, ist übrigens Willy Millowitsch . .

Aber jetzt kommt sie tatsächlich, die deutsche Jugend! Deutsche Jungs und deutsche Mädels, wie oft haben sie ihren Eid geschworen, wie oft mussten sie ihn in der Geschichte brechen, einer Geschichte, die kein Erbarmen kennt! Wie oft haben sie Schwerter zu Flugschreibern geschmiedet, wie oft haben sie sich wohl gesagt:
Meineid, Deineid, unser Eid!

Aber: sie haben dazugelernt! Und das ist das wunderbare an diesem Tag, dieser große Lerneffekt über alle zerstörten Neckarbrücken hinweg, selbst über die Drina hinweg…

Ja, sie haben auf dem Feld der Ehre gelitten, gekämpft. Wie unsere Väter, möchte ich hier einwerfen, die schon damals wussten, wie man den jugoslawischen Partisanen Beine macht: Einfach Kopfschuss.

Wie haben wir alle auf diesen Tag gewartet, seit jenem 8. Mai 1945, als wir unseren Eid zurückgeben durften, bis zum bis zum 30. Juli 2010 –

….um im Jubel der Massen und zu den Klängen des Badenweiler Marsches zu baden.
Rührung erfaßt die Menschen auf den Tribünen, auf den Straßen, den Plätzen, ja, und nun ruft uns Roland Blach von der DFG-VK mit tränenerstickter Stimme zu: Rührt Euch!

Wie richtig in diesen Tagen!
Der alte Waffennarr Mielke hebt plötzlich Wolfgang Schuster auf seine Schultern,
katholische und evangelische Bischöfe rennen segnend durch die Reihen, alle, alle gehen in die Knie, gegen zu Boden wie eine einzige Luftlandetruppe…

Doch nun zum Höhepunkt: Ein grandioser Feuerwerk, von serbischen Deserteuren entzündet, die extra vom Bundesnachrichtendienst als Belgrad eingeflogen wurde ,
gesponsert von Allianz Sach.
Raketen, Schweizer Kracher, Kanonenschläge … und nun brennen endlich auch
die ersten Deserteure wieder! – natürlich nur bengalisch-symbolisch, aber so mancher könnte sich wünschen, dass es auch anders wäre, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer . . .
Eine fulminante Pufferei aus Weihrauch, Phosphor und Magnesium, Offiziere knöpfen ihre radium-ummantelten Jacken auf – es wird endlich wieder warm in Deutschland.

Während der eine oder andere Bischof immer noch Opium unters Volk wirft, wirft Ministerpräsident Mappus mit Versprechungen um sich, die Arbeitsagentur wirft Arbeitskräfte auf den Markt-Platz, und jetzt fliegen sie, von rechts, von links, von oben, von unten, kleine, klitzekleine Splitterbomben, vollkommen ungefährlich selbst in Kinderhand
die kleinen süßen, Dingerchen, abgeworfen von unseren tapferen Piloten, getreu der Maxime: Piep Piep piep – die Bundeswehr hat alles lieb.

Ein Testgeschenk gewissermaßen vom christlichen Abendland an die Menschen in aller Welt, ein Gedenken auch an die Menschen in Dresden, Belgrad, Sarajewo, Coventry, Rotterdam und Grosny… bleibende Erinnerung …

Wir grüßen zum Schluß unsere Freunde von der United Fruit Company, in deren Auftrag
gehandelt wird weltweit, wir grüßen die deutsche Bank mit einem dreifachen

Rei-Bach
Rei-Bach
Rei-Bach,

Eine Bank, die schon damals wußte, zu was Zahngold alles gut sein kann.
Eine deutsche Bank, auf der sich nun Jung und Alt ein wenig ausruhen können…
selbst die heimkehrenden Soldaten, um ihre Zukunft betrogen, verraten und verkauft
auch vom Bundestag. Treffend dazu umspielt, umweht jetzt ein leises Lied den Schloßplatz … ein Lied, das uns auch ohne Gas die Tränen in die Augen treibt, das Lied vom zu alt gewordenen Kameraden, der weder eine Therapie bekommt noch ausreichend Rente – aber er hält durch!

Euch aber, die hier geblieben sind, die laut wurden,
Ihr seid ein Schutzschild für Freiheit und Demokratie!

Wandelt als Kinder des Lichts

Ein Gedanke zu „Dem Gelöbnis zum Geleit (Peter Grohmann am 30.07.2010)

  1. Lieber Peter,
    ein wunderbarer Text, Poesie, Film und Gedicht in einem…
    Und „unsere Anstifter“ applaudieren, marschieren, demonstrieren und sagen aber kein Sterbenswort!
    Venca

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