Dorf unterm Hakenkreuz (Monika)

Dorf unterm Hakenkreuz, so heißt eine Ausstellungsreihe, die die sieben Freilichtmuseen in Baden-Württemberg diesen Sommer und Herbst präsentieren.

Das Museum in Beuren auf der Schwäbischen Alb zeigt den Teil „Nur Mütter im Vaterland?“, der die Rolle der Frau auf dem Land im Nationalsozialismus thematisiert.

Gleich beim Eingang trifft der Besucher bzw. die Besucherin auf den ersten Teil der Ausstellung. Hier waren die Ausstellungsmacher jedoch ein wenig zaghaft. Der Teil, der sich mit den Frauen im Nationalsozialismus befasst, ist vom Rest der Ausstellung hier in dieser Scheune getrennt und in den ersten Stock verbannt. Wer sich mit Thema also nicht auseinandersetzen will, muss es auch nicht. Er klettert einfach nicht die Treppe hoch. Die meisten verzichten tatsächlich drauf. Doch es lohnt sich, auch den ersten Stock zu besichtigen. Hier fährt man, wie umfassend der Nationalsozialismus auch auf dem Land die Frauen in das Regime eingebunden hat. Junge Mädchen z. B. wurden sozusagen „zwangsrekrutiert“ und mussten auf fremden Höfen arbeiten. Die Ausstellung macht an vielen alltäglichen Exponaten deutlich, dass der dörfliche Alltag ebenso von der nationalsozialistischen Herrschaft durchdrungen war wie der städtische Alltag. Vielleicht sogar noch stärker, weil eben jeder jeden kannte und dadurch die indirekte Kontrolle stärker war.

Persönlich hat mich das Ausgedinghaus einer Hebamme besonders beeindruckt. Das Ausgedinghaus ist das sogenannte „Altenteil“. Ich hatte es mir nicht so winzig klein und eng vorgestellt. Außerdem gab es keine Wasserversorgung im „Ausgeding“. Das gesamte Wasser musste nebenan im Haupthaus geholt werden. Da ist Schluss mit der Romantik vom Altenteil! Die Hebamme lebte übrigens bis zu ihrem Tod im Jahre 1945 dort.

Der Hebammenkoffer beeindruckt mich, wenn auch mit leichtem Schauder. Es sieht nach Schmerzen und Pein aus. Anders als im ersten größeren Gebäude kann sich der Besucher in diesen winzigen Räumen nicht dem Thema entziehen. Kurze, erläuternde Text an den Wänden klären über die Rolle der Hebammen im Nationalsozialismus auf. Sie mussten z. B. melden, wenn ein behindertes Kind geboren wurde, das dann unter dem Deckmantel „Euthanasie“ ermordet wurde. Allerdings ist offen, inwieweit die Hebammen ihrer Meldepflicht nachkamen.

Ein Rundgang durch die Ausstellung im Freilichtmuseum Beuren lohnt sich auf jeden Fall. Es liegt übrigens sehr schön und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer wissen will, was die sechs anderen Freilicht-Museen in der Reihe „Dorf unterm Hakenkreuz „ zeigen, schaut am besten auf der Internetseite

0 Gedanken zu „Dorf unterm Hakenkreuz (Monika)

  1. Ich finde dieser Beitrag hat (fast) alles: sachliche Information, Lob, Kritik, eigene Meinung, Betroffenheit und Kürze. Wenn die Stimme jetzt noch etwas näher am Mikro gewesen wäre!