Arne Hornung aus Kolumbien
“DiZkO”

Vor zwei Wochen waren Präsidentshcaftswahlen in Kolumbien. Nach erwartetem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Santos von der U-Partei des noch amtierenden Präsidenten Uribe und dem Herausforderer der noch ziemlich jungen Grünen-Partei Mockus, verlief alles doch ziemlich eindeutig. Zwar steht am 20. Juni eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten aus, doch die Sache scheint eindeutig für Santos entschieden zu sein. Damit wird der Frontal-Kurs fortgesetzt werden, der dem Land weitere Episoden trauriger und brutaler Geschichten bescheren wird.

http://wolfwetzel.wordpress.com/2010/05/31/1-6-2010-wahlen-und-staatsterrorismus-sind-in-kolumbien-kein-widerspruch/

Kolumbien ist voller Widersprüche. Viele erzählen dir, wie toll das Land ist: Herzliche Menschen, wunderschöne, vielfältige Natur, das schönste und beste Land der Welt. Und in manchen Momenten mag man dem glauben schenken. Doch wenn man die Telenovela-Welt verlässt, dann erscheint mir das Land weiterhin einfach nut voller Traurigkeit. So saß ich vor kurzem mit einem Bekannten im Zentrum Bogotás bei einem Café. Er arbeitet für die Bewegung Opfer staatlicher Gewalt. In den zwei Stunden, die wir zusammen saßen, erzählte er eine traurige, brutale Geschichte nach der nächsten. Die Kreativität der Menschen in Grausamkeiten scheint unbegrenzt. Und soviele Geschichten ich heir auch schon gehört habe, noch immer berührt mich dies zutiefst. Man muss bedenken, dass sich Kolumbien noch immer im Krieg befindet, Militär, Polizei, Guerrilla, Paramilitärs, Drogenhändler, Multinationale Konzerne hinterlassen ihre blutige Spur in den Menschen, sehr viele Leute schweigen noch immer, aus Angst. Wieviel Elend mag also noch zu Tage treten, sollte irgendwann dieser Konflikt beendet sein?

Einen unserer Workshops – mit den Drogenabhängigen – haben wir beendet, da jede Woche andere Leute in der Einrichtung waren, sahen wir keinen Sinn darin, weiter zu machen. Der zweite, mit den Mamas, läuft schleppend. Nach gut einem Monat kam letzte Woche endlich wieder ein Treffen zusammen, was für einen erenuten Motivationsschub bei uns gesorgt hat. Durch den Umstand, dass nun zwei Montage in folge Feiertag ist, droht jedoch wieder ein Bruch, somit bleiben weiterhin äußere Umstände ein großes Hindernis.

Santiago wird in dieser Woche mit dem Schnitt für den Dokumentarfilm beginnen. Das Buchprojekt befindet sich in der Halbzeit. Die ersten sechs Texte und Fotos sond vollendet, fehlen noch weitere sechs bis sieben.

Am kommenden Freitag werde ich meinen ersten Auftritt als DJ haben. Ein WG-Kollege fährt nach Toulouse um sich an einer Zirkusschule vorzustellen. Ich werde auf seiner Abschiedsfeier auflegen. Emotional gesehen gehts mir sehr gut derzeit. Alles in bester Ordnung!

(Anm.d.Red.: Arne ist Anfang Herbst 2009 für ein Jahr nach Kolumbien gegangen. Er wollte in einem Projekt für die Resozialisation von Kindersoldaten arbeiten. Vor seiner Abreise war er Gast in der Sendung AnStifterFunken des Freien Radios für Stuttgart. Sein Aufenthalt in Südamerika wird von den AnStiftern unterstützt.)