AnStifterFunken
Ablaufplan und Playlist (08.06.2010)

22:00:00 AnStifterFunken im Freien Radio für Stuttgart
22:00:32 West Montgomery: Bumpin’ on Sunset 5’05“ In der heutigen Sendung gibt es wieder sehr viel Interessantes. Wir fangen an mit einem Beitrag aus der Reihe „Das Senden der andern“, in dem wir den Hörern und Hörerinnen das Freie Radio für Stuttgart und die Personen, die dieses Radio möglich machen, etwas näher bringen möchten. Die Meinungen darüber, welchen Wert dieses seit 1996 laufende Projekt hat, lassen sich nicht auf einen Punkt bringen. Es gibt ohne Zweifel Sendungen, die man nicht nur nicht hören oder verstehen muss, sondern die man auch gar nicht verstehen kann, weil niemand sich die Mühe macht wenigsten den einen oder anderen Gedanken in deutscher Sprache zu formulieren. Was sehr schade ist. Dieser fehlenden Wunsch nach Kommunikation kümmert zahlreiche Redaktionen aber nicht, denn sie suchen den Kontakt zu den Leuten vor den Lautsprechern und machen gute Sendungen. Sabine Gärttling ist Redakteurin des Kulturpalastes. Sie macht jeden ersten Sonntag im Monat die Büchersendung. Beim Freien Radio ist sie schon als es das Freie Radio noch gar nicht gab. Seit 1993. In einen kurzen Gespräch von knapp 8 Minuten erzählt Sabine heute Abend ein wenig von sich und ihrer Büchersendung. Sabine ist AnStifterin und wahrscheinlich hat sie auch von dem international ausgeschriebenen Plakatwettbewerb der Anstifter gehört. Am vorletzten Montag, dem 31.5.2010, ist im alten Foyer des Gebäudes des Württembergischen Kunstvereins die Jury zusammengekommen, um aus über 300 Einsendungen fünf Plakate zu prämieren. Wer in der Jury war und wie die Entscheidung getroffen wurde erzählen vier Personen ebenfalls wieder in einem knapp 8-minütigen Beitrag. International bleibt es mit dem darauf folgenden Gespräch mit dem Professor für Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin, Elmar Altvater. Altvater ist AnStifter und hat sich für den 22. Juni im Hospitalhof angekündigt, wo er einen Vortrag mit dem Titel „Wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gegen ein soziales Europa“ halten wird. In einem am 4.5. vom Münchner Radio Lorca aufgenommenen Gespräch sagt Elmar Altvater seine Meinung zu dem im Schnellverfahren durchgewinkten Hilfspaket der Euro-Länder in Höhe von 110 Mrd. Euro für Griechenland. Das Thema Griechenland schließen wir dann mit einer eigenen Glosse ab, die den Titel „Griechenland, der Euro und die Bildzeitung“ trägt. Eine interessante Form des Widerstandes charakterisiert die in Norddeutschland sitzende NGO Urgewald. Urgewald beschäftigt sich vor allem mit der finanziellen Seite umstrittener Projekte und sucht ihr Störpotential genau auch dort einzusetzen. Auf der Website der Organisation wird aktuell erwähnt dass: „… die Deutsche Bank Geschäftsbeziehungen zu führenden Anbietern und Herstellern von Streumunition unterhält. Zudem sind viele Investmentfonds der Deutschen Bank Tochter DWS an Streumunitionsproduzenten beteiligt“.
22:05:24 …evtl. Rest der Ansage In dem Buch „Jeder Mensch hat einen Namen“ befassen sich Harald Roth und der AnStifter Volker Mall mit der Biographie der 600 jüdischen Häftlinge des KZ-Außenlagers Hailfingen/Tailfingen, das vorgestern (06.06.2010) Mittelpunkt einer Erinnerungsveranstaltung war, zu der auch der NPD-Landesvorsitzende Nowak eingeladen worden war. In einem Beitrag sprechen wir mit Volker Mall und können berichten, wie die Gedenkveranstaltung angesichts von NPD-Drohungen abgelaufen ist. Aus der Reihe „Vergessene Schriftstellerinnen“ stellen wir schließlich die aus Heilbronn stammende Autorin Victoria Wolff vor, deren wichtigster Roman „Gast in der Heimat“ 1935 im Amsterdamer Querido Verlag erscheint. Der Roman beschreibt das Aufkommen des Nationalsozialismus in einer schwäbischen Kleinstadt. Die Nazis verbieten das Buch und setzen die Victora Wolff auf die schwarze Liste. Der Kreis der heutigen Sendung schließt sich mit dem Finn-Ole Heinrich, der bis Ende Mai Stipendiat des Stuttgarter Schriftstellerhauses am Charlottenplatz war. Im April war Finn-Ole Heinrich zu Gast bei Sabine Gärttling in der Büchersendung des Kutlurpalastes des Freien Radios für Stuttgart. Als Gute-Nacht-Geschichte erzählt er von seinem Adoptivbruder Samuel. Eine sehr, sehr schöne Geschichte, die der Autor selbst liest und die Ihr Euch wriklich nicht entgehen lassen solltet. Wirklich! Wenn Ihr im Studio anrufen möchtet, dann bieten wir Euch jeder Zeit die Stuttgater Nummer 0711 6400444 Und zwar nehmen wir erst beim dritten Klingeln ab. Ihr müsst also nicht mit uns sprechen, wenn Ihr uns etwas mitteilen wollt. Lasst Ihr einmal Klingeln bedeutet das „Okay“, „Gut“, „finde ich auch“; lasst Ihr zweimal Klingel heißt das „Nein“, „So scheiß“, „Ich schalte gleich ab“,…. und erst beim dritten Klingeln nehmen wir den Hörer. Okay? Also 0711 64 zweimla die Null, dreimal die 4.
22:14:24 Inara George: Fools in Love
22:19:06 Das Senden der andern: Sabine Gärttling: Büchersendung Sabine:“… ich danke, schön wars“
22:27:06 Nachbemerkung zur Büchersendung und Ankündigung von Finn-Ole Heinrich – Stipendiat im Stuttgarter Schriftstellerhaus - entdeckt bei Sabine Gärttling - Geschichten, die er selbst liest - Gute-Nacht-Geschichte: Samuel. Dranbleiben!
22:28:06 Inara George: Bottlecaps
22:33:32 Nachbemerkung Inara George Bei Wikipedia heißt es zu Inara, dass sie 1974 in Los Angeles geboren wurde und aufwuchs in einer „gemeindefreien“ Künstlergemeinschaft in Kalifornien. Und „gemeindefrei“ bedeutet, dass hier eigentlich niemand wohnt und dass hier gemeindepolitisch kein Verwaltungsrecht gilt. Heute bildet sie zusammen mit Greg Kurstin das Musik-Projekt The Bird and the Bee. Wenn Ihr im Studio anrufen möchtet, dann bieten wir Euch jeder Zeit die Stuttgater Nummer 0711 6400444 Und zwar nehmen wir erst beim dritten Klingeln ab. Ihr müsst also nicht mit uns sprechen, wenn Ihr uns etwas mitteilen wollt. Lasst Ihr einmal Klingeln bedeutet das „Okay“, „Gut“, „finde ich auch“; lasst Ihr zweimal Klingel heißt das „Nein“, „So scheiß“, „Ich schalte gleich ab“,…. und erst beim dritten Klingeln nehmen wir den Hörer. Okay? Also 0711 64 zweimla die Null, dreimal die 4.
22:34:32 Einleitung zum Beitrag Plakatwettbewerb – fast 500 Einsendungen aus aller Welt - die Texte z.B. auf der Website in einem dutzend Sprachen darunter hebräisch, japanisch, rumänisch, griechisch, spanisch und die sonst üblichen - evtl Fragen im Studio
22:35:32 Plakatwettbewerb …….. Hermann Zoller, wir sind im .. Württembergischen Kunstverein. Vielen Dank!“
22:43:39 Inara Georg: Greedy
22:47:35 Nachbemerkung zum Plakatwettbewerb 1. Preis: Paul Geisler Dotierung: 1.000 € „Papa hat mir eine geknallt“ folgende 4 Arbeiten gleichbewertet: Dotierung: 4 x je 500 €: Stephan Eckel (Bild Nr. 40), Christian Warstadt – mit einer 2-er Gruppe (Bild Nr. 41) , B. F. (Bild Nr. 42) , Sara Heitmüller (Bild Nr. 43) (*jeweils bezogen auf die nachfolgenden Bilder; nähere Informationen hier ab 7.6.2010) Das Bild mit dem Handy „Gewalt 2.0“ Das Bild mit dem iPod-Kabel und den geschlossenen Fensterläden Das Bild mit dem Fisch und den Fischen (Plagiatvorwurf)
22:49:35 Ankündigung Musik Musikalisch folgt wieder ein Stück von Inara George. Der Titel „Surprise“
22:50:05 Inara George: Surprise
22:54:22 Ankündigung Elmar Altvater – Professor an der Freien Universität Berlin - seit 2004 emiritiert - am 22. Juni im Hospitalhof - Wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gegen ein soziales Europa“ - Chotjewitz: „die FDP ist neofaschistisch“ - Beitrag gehört in der Sendung Inforadio des FRS … - Telefonat mit Radio Lorca, wo überraschenderweise jemand gleich das Telefon abnahm und freundlich und sympathisch antwortete und erfreut war, dass jemand den Beitrag sendet. - Zusammenstellung der wichtigsten Passagen, die gut zu hören und verständlich sind. Wenn Ihr im Studio anrufen möchtet, dann bieten wir Euch jeder Zeit die Stuttgater Nummer 0711 6400444 Und zwar nehmen wir erst beim dritten Klingeln ab. Ihr müsst also nicht mit uns sprechen, wenn Ihr uns etwas mitteilen wollt. Lasst Ihr einmal Klingeln bedeutet das „Okay“, „Gut“, „finde ich auch“; lasst Ihr zweimal Klingel heißt das „Nein“, „So scheiß“, „Ich schalte gleich ab“,…. und erst beim dritten Klingeln nehmen wir den Hörer. Okay? Also 0711 64 zweimla die Null, dreimal die 4.
22:56:22 Griechenland: Elmar Altvater ….. indem man über die eigenen Interessen auch spricht. … Nicht nur weil die Einkommen bedroht sind, sondern weil die ökonomische Unsicherheit steigt.“
23:01:30 Inara George: Fools Work
23:05:51 Griechenland, der Euro und die Bildzeitung Thomas: Alle haben Angst vor dem Untergang des Euro. Natürlich muss für diese Situation ein Schuldiger her. BILD hat ihn gefunden: es sind die Griechen! Seit Wochen hetzt die einschlägige Boulevard-Presse in Deutschland, allen voran Springer`s Bild, in beispielloser Weise gegen Griechenland. „Die Griechen machen unseren Euro kaputt“ und „verkauft doch ein paar Inseln und die Akropolis gleich noch dazu, wenn ihr Geld braucht“, lauten die guten Ratschläge. BILD stellt fest „Pleite-Griechen wollen nicht sparen“. Also gut, jetzt wissen wir’s: die Griechen sind selber Schuld! Wissen wir’s wirklich? Wer gefährdet denn den Wert des Euro? Die Griechen (Italiener, Spanier oder Portugiesen)? Oder nicht vielmehr die internationalen Zockerbanden vom Schlage eines Herrn Ackermann und Konsorten, die auf die Krise profitable Wetten abschließen? Haben die Griechen diese Schulden gemacht? Oder waren es nicht vielmehr die bisherigen griechischen Regierungen – übrigens alles konservative – hat vielleicht deshalb Frau Merkel und die EU-Kommission jahrelang beide Augen fest zugedrückt? Berechtigte Fragen auf die BILD die Antworten natürlich nicht liefert. Vielmehr werden wir als positives Gegenbeispiel hochstilisiert: wir schaffen fleißig bis 67, legen von unserem Verdienst regelmäßig was auf die hohe Kante, wir haben die fitten Unternehmen, deren Produkte in aller Welt gefragt sind. Es braucht nicht viel, um zu merken dass das alles Unsinn ist: nur ein bisschen Gehirn, das allerdings benutzt werden muss. Das ganze nennt man Marktwirtschaft – um das hässliche Wort Kapitalismus nicht zu gebrauchen – den kann man nicht einfach durch gutes Zureden zähmen! das Kapital stürzt sich immer dahin, wo die größte Rendite winkt. Auf einen realen Euro kommen in diesem Spiel 107 Euro, die lediglich auf dem Papier existieren. Wenn dann diese Seifenblase platzt, zahlen wir mit unseren Steuern den Verursachern ihre Verluste. So einfach ist das! – Deshalb: Solidarität mit dem griechischen Volk! Keine Hetze gegen Griechenland. Ein Beitrag von Robert Tetzlaff
23:08:26 Molly Jenson: Wait for you here
23:13:14 Nachbemerkung zu Molly Jenson Das Lied Wait for you here stammt von ihrer neuen CD „Maybe tomorrow“ Molly Jenson is a singer/songwriter from Southern California. She won the award for „Best Acoustic Act“ at the 2007 San Diego Music Awards[1]. In April of 2007, Teen Vogue Magazine named her „One of the three best new artists on MySpace“. In 2007, she collaborated with Switchfoot lead singer Jon Foreman on his solo “Spring“ EP. In May, 2008, she signed to producer Mark Joseph’s Bully! Pulpit Records, in a joint partnership with Nettwerk Music Group (home to top artists like Sarah McLachlan, Avril Lavigne and The Cardigans)
23:14:14 Einleitung: Urgewald Beate, du hast den nächsten Beitrag gemacht. Ich habe Urgewald immer in allen möglichen Zusammenhängen – auch zur Vorbeitung dieser Sendung – mit „T“ am Ende geschrieben. Das war mal wieder falsch. Man schreibt Urgewald mit „D“. Warum? - Café Endlager - Entega - schon länger bekannt..
23:16:14 Beitrag: Urgewald Vorspann zum Interview mit Frau Richter von urgewald: In der letzten Sendung haben wir über das Café Endlager berichtet, das einen Monat lang in der Eberhardstraße in Stuttgart geöffnet hatte und über den Stromlieferanten entega, der das Ganze finanziell möglich gemacht hat, der allerdings geschäftspolitisch gesehen, nicht ganz unabhängig von der Atomindustrie zu sein scheint. Die temporäre Kunstausstellung im Café Endlager wollte auf die Gefahren der Atomenergie aufmerksam machen. Heute wollen wir die „Denkanstöße“ der Ausstellung etwas vertiefen und letztlich der Frage nachgehen: Wer finanziert eigentlich die Atom-Branche?? Dazu möchten wir Ihnen heute die Menschenrechtsorganisation urgewald vorstellen, die seit Jahren auch gegen umstrittene AKW-Projekte kämpft. Urgewald befindet sich in Sassenberg, das liegt zwischen Bielefeld und Münster im Norden von NRW. Die Gründerin von urgewald Heffa Schücking und ihre Mitarbeiterinnen begleiten die deutsche Wirtschafts- und Entwicklungspolitik seit Jahren sehr kritisch. Sie leisten immer wieder engagierte Lobbyarbeit, d.h. Kritik und Forderungen von Protest-Bewegungen werden durch direkte Gespräche an Entscheidungsträger herangetragen. Eine Mitarbeiterin von urgewald stellt die Tätigkeitsfelder im Zusammenhang mit Atomstrom vor. Am Telefon spricht Frau Richter ………… Frage: Gehört denn Entega auch dazu? Antwort:…… Da ist Entega nicht dabei.“
23:30:19 Molly Jenson: And you were
23:32:53 Jeder Mensch hat einen Namen (Helmut) ACHTUNG ZEIT! Bitte ohne BAP zwischendrin und soweit möglich erzählerisch per Mikro? Moderation: Eigentlich wollte ich mich in diesem Beitrag auf die Vorstellung eines neuen Buchs beschränken, das vor allem diejenigen unter den Hörerinnen und Hörern interessieren dürfte, die sich mit der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen in der Region beschäftigen wollen. Es handelt sich um ein Buch, das den Titel trägt: „Jeder Mensch hat einen Namen“. Die beiden Autoren, Harald Roth und Volker Mall (er ist Anstifter) befassen sich in diesem Buch mit dem KZ-Außenlager Hailfingen/Tailfingen bei Herrenberg und gehen dem Schicksal von 600 jüdischen KZ-Häftlingen nach, die im November 1944 von Auschwitz und vom KZ Stutthof bei Danzig in den Süden in das KZ-Außenlager deportiert wurden. In den beiden letzten Wochen hat dieses Buch, und wovon es handelt, enorme aktuelle politische Brisanz bekommen. Wer aufmerksam die hiesigen Zeitungen liest, weiß, was da passiert ist. Am 6. Juni, also vorgestern, ist im Rathaus in Tailfingen eine Gedenkstätte und danach in Hailfingen beim ehemaligen Nachjägerflugplatz, dem Ort des KZ-Außenlagers, ein Mahnmahl eingeweiht worden. Ursache des politischen Streits im Vorfeld und der neuesten Auseinandersetzungen war die Einladung eines NPD-Kreistagsabgeordneten durch den Bürgermeister der Gemeinde Gäufelden. Doch der Reihe nach; also zuerst zum Buch: Bereits 2007 haben Volker Mall und Harald Roth, zusammen mit Dorothee Wein ein Buch über das KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen herausgebracht. Es heißt: Spuren von Auschwitz ins Gäu. Im Gäu, auf einer nebelfreien Hochfläche zwischen Herrenberg und Rottenburg, errichtete das NS-Regime einen Nachtjägerflugplatz. Für den Ausbau wurden anfangs Zwangsarbeiter eingesetzt. Mit der Ankunft von 600 Juden im November 1944 wurde der Flugplatz Hailfingen-Tailfingen ein Außenlager des KZs Natzweiler im Elsass. Für das neue Buch haben Harald Roth und Volker Mall, so weit dies überhaupt noch möglich war, die biografischen Daten aller 600 jüdischen Häftlinge recherchiert. Sie haben herausbekommen, wie viele von ihnen hier gestorben sind und umgebracht wurden, wo sie verbrannt bzw. begraben wurden. Sie haben Kinder von KZ-Häftlingen gefunden und einige wenige heute noch lebende ehemalige KZ-Häftlinge. Für uns, die wir im Großraum Stuttgart leben und des öfteren auf der A81 südwärts brausen, ist es ein Schock zu erfahren, was ganz in unserer Nähe, im idyllischen Gäu, geschehen ist und es berührt uns stark, wenn das Leiden, die Ermordung und der Tod Namen bekommen und wenn die Orte, wo die Toten liegen, benannt sind. Ich habe Volker Mall gefragt, was ihn und Harald Roth bewogen hat, der Geschichte dieses KZs und der 600 Juden, die dort schufteten, von denen viele ermordet wurden oder an Hunger und Krankheiten starben, von denen aber auch einige überlebten, nachzugehen. Auszüge aus dem Interview mit Volker Mall dazwischen (sehr kurz) Gespräch mit M. Ciechanower vom 30. 5.) Noch einmal Titel des Buchs und Verlag: Volker Mall und Harald Roth – Jeder Mensch hat einen Namen – Gedenkbuch für die 600 jüdischen Häftlinge des KZ-Außenlagers Hailfingen-Tailfingen – erschienen im Metropol-Verlag Berlin. So weit die Vorstellung des Buchs. Nach der Musik (BAP/Kristallnaach) kommen wir zu den aktuellen Ereignissen. Musik eingearbeitet (Kristallnaach gekürzt) Fortsetzung Vor 4 Wochen hat Johannes Buchter, ehemaliger Landtagsabgeordneter der GRÜNEN, jetzt Bürgermeister der Gemeinde Gäufelden und zugleich Abgeordneter des Kreistags Böblingen, die Einladungen für die Einweihung des Dokumentationszentrums und der Gedenkstätte verschickt. Persönlich eingeladen hat er auch seine Kollegen aus dem Kreistag und somit auch seinen dortigen Kollegen, den NPD-Mann und stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Nowak, übrigens ohne Absprache mit den Mitveranstaltern. Dieser Herr Nowak, der sich selbst in seinen Briefunterschriften zur „Stimme des Volkes“ erhebt, hat diese Einladung zum Anlass genommen, auf der NPD-Webside seine bedeutenden tages- und kulturpolitischen und historischen Einsichten zu verkünden. Statt die Tailfinger Bürger endlich mit einer schnellen DSL-Leitung zu versorgen, gebe die Gemeinde das knappe Geld für eine „sündhaft teure, pompöse, Gedenkstätte“ aus, für ein „Mea-Culpa-Projekt“, wie Nowak sich ausdrückt. Dies sei Ausdruck einer „Schuldkultur“ und ein Beispiel für die „Holocaust-Industrie“, die sich nun auch im Gäu ausbreitet. Darüber hinaus hat er seine tiefe Kenntnis der Bestimmungen der Genfer Konvention von 1949 belegt. Die jüdischen KZ-Häftlinge sind, so Nowak, „Kriegsgefangene“ gewesen. Wenn er den Begriff „Kriegsgefangene“ verwendet, weiß er, wenn er nicht ganz unbedarft ist, dass sie somit dem Verbot „unmenschlicher“ und „entwürdigender“ Behandlung durch den sogenannten Gewahrsamsstaat unterliegen. Also kann, meint wohl Herr Nowak, im KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen auch alles nicht so schlimm gewesen sein. Aber lassen wir doch das Herumgerede. Was diese selbst ernannte „Stimme des Volkes“ da absondert, ist tiefbraune dampfende Kacke. Nowak ist ein Geschichtsfälscher, ein Antisemit, ein dumpfer Hetzer – ein Neonazi eben. „Aber“, mögen manche sagen, „er ist doch ein gewählter Abgeordneter und hat deshalb das Recht, zu den Gedenkveranstaltungen persönlich eingeladen zu werden“. Ein frei gewählter Abgeordneter ist Nowak in der Tat. Aber muss ich als Verantwortlicher einer Gedenkfeier für jüdische KZ-Häftlinge unbedingt einen Neonazi einladen? Lädt ein Häuslebauer, der sein abgebranntes Haus wieder aufgebaut hat, einen bekannten Brandstifter zum Richtfest ein? Diese Frage haben sich viele Bürger aus der Region um das ehemalige KZ und vor allem die Initiatoren der Gedenkstätte gestellt und sie haben beim Bürgermeister gegen die Einladung des NPD-Manns protestiert. Dem Bürgermeister Buchter ist der Druck wohl zu stark geworden und er hat, nachdem er auf der NPD-Webside der braunen Soße ansichtig geworden ist, Herrn Nowak wieder ausgeladen. Der wiederum hat, unterzeichnet mit „Nowak – Des Volkes Stimme“ einen offenen Brief an den Bürgermeister geschrieben und angekündigt, dass er trotzdem kommt. Er werde sich „auch vor den Augen der damaligen Lagerinsassen und ihrer Angehörigen von der anwesenden politischen Polizei gegebenenfalls niederknüppeln und abführen lassen“. Was kann man aus dieser üblen Geschichte lernen? Den Umtrieben der neuen Nazis muss unsere ganze Aufmerksamkeit gelten, die neonazistischen Individuen sollte man jedoch mit Nichtachtung strafen auch wenn sie gewählte „Volksvertreter“ sind. Von daher gesehen war die Einladung des NPD-Manns Nowak zu den Gedenkveranstaltungen durch den Bürgermeister falsch, geschmacklos im Hinblick auf die anwesenden Überlebenden des KZs Hailfingen-Tailfingen, und sie war – um es zurückhaltend zu formulieren – gedankenlos. Fortsetzung und Schluss (live): kurzer Bericht über den störungsfreien oder auch gestörten Ablauf der Feierlichkeiten.
23:49:07 beliebige Musik
23:51:07 Vergessene Schriftstellerinnen: Victoria Wolff Gelesen von Beate Monika, wie bist Du auf Viktoria Wolff gestoßen? Das Literaturblatt veröffentlichte vor ein oder zwei Jahren einen Artikel über diese Autorin und ich war überrascht, dass sie so ganz aus der Nähe kam und ich bis dahin noch nie etwas von ihr gehört hatte. Viktoria Gertrude Victor, spätere Wolff, stammt aus Heilbronn, wo sie am 10.12.1903 in ein jüdisches Elternhaus geboren wurde und wuchs in schwäbisch-bürgerlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater betrieb eine Lederfabrik, sie konnte als erstes Mädchen 1922 am Knaben-Realgymnasium in Heilbronn das Abitur machen. Mathematik soll nicht ihre starke Seite gewesen sein. Ihre Mathematikschwäche soll von Albert Einstein (er war der Großcousin von Victoria Wolffs Vater Jakob Victor) mit den Worten kommentiert worden sein: “Es hat keinen Zweck, Deine Zeit mit Mathematik zu vertrödeln.” Nach dem Abitur begann sie zunächst auf Wunsch des Vaters ein Chemiestudium, das sie aber wieder standesgemäss abbrach und begann eine journalistische Karriere. Ihre ersten Schreibversuche machte sie bereits während ihrer Schulzeit. Viktoria Wolff muss sehr selbstbewusst und durchsetzungsfähig gewesen sein, denn sie begann eine journalistische Karriere, zunächst im lokalen Umfeld, dann auch darüber hinaus: Neckar-Zeitung, Frankfurter Zeitung, Kölnische Zeitung, Stuttgarter Neue Tagblatt, schließlich schrieb sie auch für den Süddeutschen Rundfunk. 1932 erscheint ihr erster Roman „Eine Frau wie Du und ich“. Zu der Zeit war sie bereits mit dem Textilfabrikanten Dr. Alfred Max Wolf (mit einem F am Ende) verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. 1933 konnten nach zwei weitere Romane erscheinen. Um ihren Kindern Schikanen zu ersparen, emigrierte sie zunächst nach Ascona. Wie erging es ihr im Schweizer Exil? Ihre Wahlheimat wurde Ascona. Dort lernt sie Erich Maria Remarque, Tilla Durieux, Leonhard Frank und Ignazio Silone kennen. Mit Remarque war sie viel unterwegs, weil sie eine Schwäche für sein Auto hatte. Er hatte das schönste Auto, das man sich vorstellen kann. Der Lancia. Hellgrau, mit grauer Innenverkleidung. Mit aufklappbarem Verdeck. Unbeschreiblich elegant. Und er fuhr wie ein Weltmeister.” Sie selbst fuhr übrigens ebenfalls gerne selbst Auto, was damals für Frauen keineswegs üblich war. 1935 erscheint ihr wichtigster Roman „Gast in der Heimat“ im Amsterdamer Querido Verlag. Der Roman beschreibt das Aufkommen des Nationalsozialismus in einer schwäbischen Kleinstadt und hat autobiographische Züge. Die Nazis verbieten das Buch und setzen die Autorin auf die schwarze Liste. Trotz eines 1936 ergangenen Publikationsverbotes veröffentlicht sie auch weiterhin ihre Beiträge in der Schweizer Presse, teils anonym, teils unter Pseudonym (Trude Wolf, Ellinor Colling, Claudia Martell). Aufgrund einer Denunziation bei der Eidgenössischen Fremdenpolizei wird Victoria Wolf im Frühsommer 1939 ausgewiesen und gelangt, über die Exilstationen Nizza und Lissabon, 1941 in die USA. Mit welchen Schwierigkeiten eine Einreise in die USA verbunden war, beschreibt übrigens Anna Seghers in „Transit“ sehr anschaulich. Was hat sie nach dem Krieg gemacht? 1945 wurde sie von ihrem ersten Mann geschieden und heiratete 1949 den Berliner Arzt Dr. Erich Wolff (mit zwei ff). Von ihm soll der Ausspruch stammen: : „Nach mir kannst Du niemand mehr heiraten, denn einen Wolf mit drei ‚f‘ gibt es nicht!“. Erich Wolff, ein Kardiologe, ist Arzt in der Exilkünsterlkolonie von Los Angeles, so dass es niemand wundert, dass sie Thomas Mann und das Ehepaar Feuchtwanger, Fritzi Massary und die Werfels kennen lernt. Sie ist weiterhin schriftstellerisch aktiv, ihr Hauptthema ist die Auseinandersetzung zwischen selbständigen Frauen und konservativen Männern. Sie entdeckt auch ein neues Medium für sich, nämlich den Film und schreibt Drehbücher für MGM und Century Fox, also Hollywoods Traumfabriken. In den USA schreibt sie übrigens auf Englisch und korrigiert ihr Alter um 5 Jahre nach unten. Nach Kriegsende bis zu ihrem Tod besuchte Viktoria Wolff wiederholt ihre Heimatstadt Heilbronn. Ihr ehemaliges Realgymnasium, das heute Robert-Mayer-Gymnasium heißt vergibt seit 2002 den Viktoria-Wolff-Preis für herausragende Leistungen in den Bereich Kunst, Literatur, Musik und Theater. 1992 starb sie hochbetagt in Los Angeles. Du hast uns sicher einen Ausschnitt aus einem Roman von Viktoria Wolff mitgebracht. Was möchtest du uns vorstellen? Der Roman „Das weiße Abendkleid“ entstand 1938 in der Schweiz und erschien unter einem Pseudonym. Coco Chanel hatte in Paris „Das große Weiße“ auf den Markt gebracht und populär gemacht. Das Kleid, das im Mittelpunkt des Romans steht, hat sogar einen Namen „La joie tremblante „ – die zitternde Freude“ und verändert seine Trägerin. Vier Frauen tragen das Kleid: die Filmdiva Anna Lund, das Mannequin Sonja Putilew, die Kaufmannsgattin Maria Barthoud, die zugleich die Schwester von Anna Lund ist und ihr Zimmermädchen Ilka Wahla. Am Schluss haben sich alle verändert, die Frauen und auch das Kleid. MARIA Maria Barthoud war zwei Jahre jünger als ihre Schwester Anne Lund, zwei Zentimeter kleiner und zwei Zentimeter rundlicher. Ihre Augen zeigten wohl das gleiche, frische Bergseegrün, doch die Pupille wurde durch hellbraune Flecken getrübt und war verschwommen. Auch die Haarfarbe, durch chemische Mittel hell gehalten, hatte die natürlichen grau weichen Schimmer verloren, der den Aschblonden die jugendfrische Sauberkeit verleiht, nur der Teint war der gleiche — der klare, gesunde Apfelteint der Schwedin. Maria war in ihrer äußeren Erscheinung der nicht ganz geglückte Versuch der Natur, der Anne zum Vorbild hatte. In ihrem Wesen war Maria die Volksausgabe von Anne. Sie hatte die gleichen Anlagen, aber es fehlte ihr überall an den letzten zwei Zentimetern. Niemand hätte ihr vorwerfen können, daß sie dumm sei, aber der gänzliche Mangel an Selbstkritik ließ sie nie dazu kommen, klug zu sein oder klug zu gelten. Vor sieben Jahren hatte sie aus Neigung und Bequemlichkeit der konventionellen Werbung des Herrn Philippe Barthoud, der die lukrative Vertretung eines Lyoner Seidenhauses innehatte, nachgegeben und lebte seither an seiner Seite weder glücklich noch unglücklich, wobei äußerlich und innerlich alles geregelt schien. Mittelmaß sei hygienisch, sagte Monsieur Barthoud, und Hygiene spielte nebst der feinen Seide eine große Rolle in seinem Leben. Die einzigen Seitensprünge, die sich Maria erlaubte, waren alle Abstufungen des Neides auf ihre Schwester Anne. Die Seitensprünge von Monsieur Barthoud waren seiner Frau überhaupt nicht bekannt. Maria erhält das weiße Abendkleid und wagt einen nächtlichen Ausflug, bei dem sie einen Mann kennen lernt, der um ihre Gunst wirbt. Beide verbringen tanzend einen angenehmen Abend, doch Ivo, so heißt der Unbekannte will am ende mehr von Maria. Fast wird Maria sich selbst untreu, aber sozusagen in letzter Minute tritt sie doch den Heimweg an. Während sie die leeren, dunklen Champs-Elysees entlangrollte, sah sie überklar, wem sie entgegenfuhr. Sie sah greifbar nahe Monsieur Barthouds schwarzen Schnurrbart und seine Musterkoffer voll Lyoneser Seide, seinen schmalen Bambusstock und seine ausgetretenen algerischen Hausschuhe. Sie hörte seine etwas heisere Stimme und sah, wie er sich mit der Hand über seine leicht glänzende Glatze strich. Sie fuhr ihm entgegen, seiner Welt, ihrer alten Welt, der Tradition, der Langweile, dem Vorurteil, Madame Granville und dem Schwedischen Klub. Aber sie fuhr ihnen anders entgegen, als sie sie verlassen hatte. Sie fuhr ihnen kritisch entgegen und lieblos und aufgeweckt. Sie nahm nicht mehr hin, sie bewunderte auch nicht mehr. Sie fuhr all diesen Dingen entgegen, weil sie nicht mehr zurückfahren konnte. Sie konnte nicht mehr zurück, auch wenn sie der Chauffeur plötzlich bei der Hand genommen und zu Ivo zurückgeführt hätte. Aber niemand nahm sie bei der Hand. Es geschahen keine Märchen mehr. Oder nur solche, die man sich selber schuf. ….. Schade um den raschen Abschl
uß, schade um alles, was sie nicht gesagt, gehört und getan hatte. Sie bereute. Aber diese Reue gehörte zu ihr. Sie war ein Teil ihres Wesens, das sie kannte. Ohne diese Reue wäre sie nicht Maria gewesen. Und schließlich hatte sie sich und alle ihre Eigenschaften gern. Nun war es aus. Unwiderruflich! Schon fuhr sie wieder um die schmale Ecke in der Rue Ancelle. Sie wußte seinen Namen nicht, und er hatte ihren Namen nicht wissen wollen. Es war schön gewesen und seltsam, und nun war es vorbei. Es hat das Kleid gekostet, das sie als Einsatz gewagt hatte. Mehr nicht. Sie war müde und traurig und doch ein bißchen glücklich. Und nun ging sie wieder in das große, dunkle Loch, das ihre Haustür war. Wie siehst Du die Schriftstellerin Viktoria Wolff? Viktoria Wolff hat sicher keine Weltliteratur geschrieben. Das war gar nicht ihr Anspruch. Sie wollte gute, anspruchsvolle Unterhaltung machen und das ist ihr gelungen. Sie und ihre Familie wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt und sie ließen sich nicht klein kriegen. Das ist das Entscheidende! Ein Beitrag von Monika Lange-Tetzlaff, AnStifterin und Inhaberin des Antiquariats Buch & Plakat im Bohnenviertel
23:57:07 (beliebige Musik)
23:59:07 Ankündigung Finn-Ole Heinricht Und nun die angekündigte Gute-Nacht-Geschichte von Finn-Ole Heinrich, „Samuel“
23:59:37 Finn-Ole Heinrich: Samuel
24:08:50 Wes Montgomery: Bumpin’ on Sunset Das war AnstifterFunken im Freien Radio für Stuttgart. Mitgemacht haben in der Reihenfolge Ihres Auftritts Wes Montgomery, Inara George, Sabine Gärttling, Hermann, Zoller, Hans D. Christ, Ursula Weckherlin, Heidemarie Roth, Elmar Altvater, Nikolaus Küfner, Thomas Robert Tetzlaff, Beate Zela-Koort, Helmut W.Vogel, Volker Mall, Mordechai Ciechanower, Molly Jenson, Monika Lange-Tetzlaff, Finn-Ole Heinrich sowie Armin Fischer und Burkhard Heinz. Vielen Dank und gute Nacht!