Café Endlager Teile 1-3 (Beate;018)

I. Beitrag zu Tschernobyl
Der Reaktor-Unfall in Tschernobyl am 26.4.1986 hat sich zum 24. Mal gejährt. Damals hatten wir in Deutschland nur mit großer zeitlicher Verzögerung Genaueres erfahren. Am 28.4. wurde erstmals in den Nachrichten ein „Unfall“ im KKW Tschernobyl erwähnt. Am 29.4. erstmals von einer „Katastrophe“ und von Todesopfern gesprochen.

Messwerte gab es für die Öffentlichkeit nicht.
Deutsche Medien gaben keine Warnungen raus. Niemand von uns wusste etwas Genaues über die Auswirkungen des atomaren Unfalls. Der damalige Kanzleramtsminister Schäuble beschwichtigte ganz rührend, es bestehe keinerlei Gefahr.

So haben viele Menschen am 1. Mai das schöne Wetter
genutzt, um die herrliche Natur zu genießen, die warme Sonne, den wolkenlosen Himmel. Die Bäume haben prächtig geblüht.
Wir sind –wie viele andere auch – raus gegangen.

Wir waren jung, fühlten uns unbeschwert.
Ich kann mich noch gut erinnern. Wir fühlten uns so wie Goethes Werther am 10. Mai. So wie er fühlten wir uns e i n s mit der Natur und schwelgten von ihrer blühenden Schönheit.
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Am 2. Mai kam für uns die totale Ernüchterung. Spätestens jetzt war klar, dass eine radioaktive Wolke auch Süddeutschland erreicht hatte, auch uns – und zwar bereits gestern oder noch früher.
Das hat uns Angst gemacht. Wir sind zu Hause in geschlossenen Räumen geblieben, haben mit Freunden telefoniert und diskutiert, die Nachrichten in Radio und Fernsehen ängstlich verfolgt.
Alles war plötzlich anders. (1’50 — 2 Min.)

—Wie habt ihr das damals erlebt? Helmut und Burkhard?
( u n d eure Antworten ca. 2 Min.??)

II. Beitrag zu Tschernobyl

Wir im Süden Deutschlands waren weit weg von Tschernobyl, vom Ort des Geschehens.
–Aber wie haben die Menschen dort, die direkt betroffen waren, die Katastrophe erlebt ??

Darüber gibt ein Buch Auskunft. Es ist von Swetlana Alexi jewitsch und heißt „Tschernobyl“, erschienen im Berliner Taschenbuch Verlag 2006.

Swetlana (Alexijewitsch) hat als Zeitzeugin menschliche Schicksale dokumentiert.
Sie hat das Erzählte von Menschen, die die Katastrophe in ihrer ganzen Wucht getroffen hat, sehr lebendig und unkommentiert wiedergegeben.
Viele Männer wurden in der Nacht des 26.4.1986 zur Unglücksstelle gerufen. Sie hatten keine Chance und wurden hochgradig verstrahlt, sie und ihre Frauen sind sehr unterschiedlich mit ihrer Angst umgegangen.
Eine Frau verlässt ihren verstrahlten Mann fluchtartig.
Eine andere Frau empfindet in der atomaren Bedrohung eine tiefe Liebe zu ihrem Mann. Sie missachtet alle Warnungen und Verbote der Ärzte und weicht nicht von seiner Seite, bis zu seinem Tod.

Die Autorin hat sich – wie sie sagt – mit dem beschäftigt, was sie
„weggelassene Geschichte nennen würde, die spurlosen Spuren unseres Aufenthalts auf der Erde und in der Zeit“. (S. 19) unbedingt lesenswert!
Auf dieses Buch bin ich gestoßen, als ich das Café Endlager besucht habe.
Das Café Endlager befindet sich in der Eberhardstraße 65, hier in Stuttgart.
Was ist das für ein Café, in dem sonst keine, aber dieses Buch über „Tschernobyl“ verkauft wird.
Die Ko-Kuratorin des Cafés habe ich dort angetroffen. Sie stellt sich und das Café vor:

Am 26.4. gab es dort eine Lesung aus dem vorher genannten Buch „Tschernobyl“ mit der Stuttgarter Schauspielerin Julia Hummer und Nikolai Kinski. Musikalisch oder besser gesagt: mit sphärischen Klängen war das Ganze eindrucksvoll unterlegt von Moritz Wolpert. Manchmal für meine Ohren etwas zu laut, so dass ich einige Worte der Lesung nicht verstehen konnte. Davon abgesehen war es insgesamt sehr gut gemacht und ging nachhaltig richtig unter die Haut.

Wie man so hört kamen die prominent besetzten Abendveranstaltungen bis jetzt sehr gut an.
Der künstlerische Leiter Ralf Schmerberg und Carola Dürr haben
zu den Gefahren der Atomenergie eine eindrucksvolle und sehenswerte Ausstellung auf die Beine gestellt.

Unbedingt besuchen!! Das Café ist noch bis zum 23. Mai geöffnet.

III. Tschernobyl

Die Firma entega hat das Café Endlager und das gesamte Projekt der temporären Anti-Atom-Ausstellung finanziert. Sie will auf diese Art und Weise Denkanstöße geben, dass wir uns der atomaren Gefahren bewusst werden, die von Kern-Energie-Anlagen ausgehen u n d nicht zuletzt als Konsequenz Strom aus erneuerbaren Energien beziehen.

Das ist soweit unumstritten gut.

Nur – Wer ist ENTEGA ?? Darauf konnte mir in dem Café keiner so recht antworten.
Der Ökostromlieferant ist relativ unbekannt, deshalb habe ich mich versucht im Internet (vorwiegend bei wikipedia) etwas schlauer zu machen.

ENTEGA mit Sitz in Darmstadt ist die gemeinsame Vertriebstochter der Stadtwerke Mainz AG und einer Südhessischen Energie- Aktien-gesellschaft (HSE), wobei der STROM-RIESE E.ON an dieser (an der HSE) mit 40% beteiligt sein soll.

((Bei Wikipedia ist zu erfahren)
1999 wird Entega gegründet. Im Januar 2001 bietet sie ihr erstes Energiemix-Produkt an, das Anteile aus regenerativen Energiequellen
enthält. Im Mai 2007 bringt entega ihr erstes hundertprozentiges Ökostrom-Produkt mit dem Label „ok-power“ auf den Markt.
E r s t im Januar 2008 vollzieht der Stromlieferant den Atomausstieg und streicht Atomstrom komplett aus seinem Energiemix.

((Ein Label ist ein Prüfsiegel, Gütesiegel oder Qualitätssiegel, das von bestimmten Organisationen erstellt werden.))
Zu diesem Label ist zu sagen, dass es ein reines Produktlabel ist, das die Herkunft und ökologische Eigenschaft des Stromprodukts überprüft. Die Geschäftspolitik des Unternehmens, das dieses Produkt vertreibt, wird hingegen nicht bewertet. So heißt es bei Wikipedia weiter:

Daher enthält das ok-Power-Label auch keine Einschränkungen für den Betrieb von HYPERLINK „http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk“ o „Kernkraftwerk“ Kernkraftwerken oder den Einsatz HYPERLINK „http://de.wikipedia.org/wiki/Fossiler_Brennstoff“ o „Fossiler

Brennstoff“ fossiler Brennstoffe durch die Stromlieferanten oder deren Anteilseigner.

Meines Erachtens muss sauberer Öko-Strom bei der Kennzeichnung strengeren Kriterien unterzogen sein.
Auf der Suche nach vertrauenswürdigeren Labels für Öko-Strom, bin ich auf

DAS GRÜNER STROM LABEL gestoßen.

Das Label wird getragen von großen deutschen Umweltverbänden.
Wie: BUND, NABU, Demeter oder EuroSolar.

Wichtig ist, dass Neuanlagen zur Stromerzeugung aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gefördert werden.
Und dass es Keine Verflechtung mit der Atom- und Kohleindustrie gibt!

Das alles trifft z.B. auf Naturstrom.de mit Sitz in Düsseldorf zu,
und auch auf andere!

Also: Den Stromanbieter genau prüfen und dann ggf. wechseln!
Alle Formalitäten werden von dem neuen Anbieter erledigt.
Den Atomausstieg selber machen!
(Ca. 3:30 Min.)