Tschernobyl (Beate)

Für unsere nächste Sendung am 11.5. habe ich noch einen Beitrag.
Wir können ja nie wirklich aktuell sein, aber ich finde, wir sollten -wenn auch mit zeitlicher Verzögerung – etwas zum Unglück am 26.4.1986 in Tschernobyl sagen.
Ich denke nicht an etwas starr Vorgefertigtes und vom Band abzuspulen, sondern frei ins Mikro zu sprechen, evtl. mit Zwischenfragen. Was ich in etwa sagen will, sende ich euch nachfolgend zu. Es geht mir um persönliches Erleben, wie die Katastrophe im Süden Deutschlands, bei mir/uns, angekommen ist. … Gruß, Beate

Tschernobyl  26.4.1986

Von dem Reaktorunfall  in  Tschernobyl 1986  hatten wir in Deutschland mit großer zeitlicher Verzögerung erfahren.  Am 28.4. wurde erstmals in den Nachrichten  ein „Unfall“ im KKW  Tschernobyl  erwähnt. Am 29.4. erstmals von einer „Katastrophe“ und von Todesopfern gesprochen. Messwerte gab es für die Öffentlichkeit nicht. Deutsche Medien gaben keine Warnungen raus. Niemand von uns wusste etwas Genaues über die Auswirkungen des atomaren Unfalls.  Der damalige Kanzleramtsminister Schäuble beschwichtigte ganz rührend, es bestehe keinerlei Gefahr. So haben viele Menschen am 1. Mai das wunderschöne Wetter genutzt, um die blühende Natur zu genießen, die warme Sonne, den wolkenlosen Himmel.  Wir sind –wie viele andere –raus  gegangen  …

Wir waren jung, fühlten uns unbeschwert. Ich kann mich noch gut an einzelne Eindrücke erinnern. Wir fühlten uns so wie Goethes Werther  am 10. Mai, der eins war mit der Natur und der von ihrer Schönheit schwelgte.

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Am 2. Mai  kam für uns die totale Ernüchterung. Spätestens jetzt war klar, dass eine radioaktive Wolke auch Süddeutschland erreicht hatte, auch uns    – und zwar bereits gestern.

Das hat Angst gemacht. Wir sind zu Hause, in geschlossenen Räumen geblieben.  …

—Wie habt ihr das damals erlebt?

Situation bis heute – nachgelesen bei greenpeace:

Ein zweiter Sarkophag
Wegen der Mängel der ersten Hülle und dem ständigen Austritt von Radioaktivität musste immer wieder nachgebessert werden. Im Juli 1992 veranstaltete die Ukraine einen Wettbewerb führ eine zweite Schutzhülle. Dieser Wettbewerb war anfangs bis Dezember 1992 ausgeschrieben, musste aber bis zum April 1993 verlängert werden. Das ukrainische Ministerium entschied sich schließlich für einen französischen Entwurf, der mit

1,3 Milliarden Dollar noch am billigsten war. Diese Umhüllung ist aber bis heute nicht errichtet. Die Situation hat sich bis  HYPERLINK „http://www.greenpeace-berlin.de/tschernobyl/ts_1997.html“ o „die Jahre danach: 1997“ 1997 nicht geändert. Immer noch wird über Plänen gebrühtet und um Subventionen geschachert.

Derweilen  bröckelt der Sarkophag weiter vor sich hin…
Bis heute wurde kein wirklich sicheres, zukunftstaugliches Projekt zur Abkapselung des Reaktors entwickelt.

Die technischen und finanziellen Probleme sind einfach zu groß.

Eine dauerhafte Lösung ist nicht in Sicht.

Die Reaktorruine strahlt weiter und verseucht immer mehr Trinkwasser, da auch das Fundament undicht ist.

Das Schlimme:
Noch im Unfalljahr wurden die unbeschädigten Reaktorblöcke wieder in Betrieb genommen. Sie sollen noch sehr lange am Netz bleiben.

(„Urgewald“  berichtete darüber.)

Nachbesserungen  sichern  den   Betrieb der   Schrottreaktoren

– finanziert von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten – .

Auch wenn wir im Moment nichts  über sie hören, stellen die Reaktoren eine dauerhafte Bedrohung für uns alle dar!

0 Gedanken zu „Tschernobyl (Beate)

  1. Ich hätte hier gerne mehr persönlichere Erfahrungen. Das Thema ist natürlich wichtig, aber nicht einfach.

    1. Hallo Burkhard,
      war gestern Abend im Café Endlager, es gab eine Lesung „Tschernobyl“ mit Julia Hummer und Nikolai Kinski, musikalisch eindrucksvoll unterlegt . War sehr gut gemacht und ging richtig unter die Haut.
      Bin froh, dass du mir den Tipp gegeben hast und ich dort war.
      Habe die Ko-Kuratorin Carola Dürr interviewt, das Ergebnis muss ich mir noch genauer anhören. ..
      Bis dann!
      Beate