Deutsche Bank als Pate an den Schulen – vollständiger Beitrag 14. 4. 2010 (Helmut)

1. Einleitung (Live)
Kurzes Gespräch im Sendestudio zwischen einem Kollegen (Burkhard?) und mir.
Ungefährer Gang des Einleitungsgesprächs:
Helmut: Sag mal Burkhard: Du bist doch ein wohlhabender Mann. Wo hat du deine Million geparkt? Bei einer deutschen Bank? In der Schweiz? Oder unterm Kopfkissen?
Burkhard: Das Kopfkissen kommt für mich nicht infrage, weil ich zu oft meine Schlafstätte wechsle. Für den Geldtransport in die Schweiz fehlt mir der Kalbslederkoffer. Also bin ich notgedrungen ein Anhänger der eher konservativen aber ehrlichen Geldanlage: Ich habe mein Geld bei der Beraterbank.

Helmut: Ich liebe die Diversifikation, der Streuung. Ich habe mein Geld also bei einer hiesigen Bank, aber auch in der Schweiz – hoffentlich ist mein Name auf keiner CD, die den deutschen Finanzämtern zugespielt wurden – angelegt. Im vergangenen Jahr habe ich – obwohl oder weil ich dem Rat meiner Bankberater gefolgt bin – im Zuge der Finanzkrise Einbußen erlitten. Wie sieht’s bei dir aus?
Burkhard: Mir ging es auch so, aber ich bin mit einem blauen Auge davongekommen.
Helmut: Offenbar fehlt uns beiden etwas der Durchblick in Finanzfragen. Es soll ja durchaus Leute geben, die im Jahr 2009, dem ersten Jahr der Finanzkrise, keine Verluste sondern einen ordentlichen Reibach gemacht haben. Uns beiden fehlt so etwas wie „finanzielle Allgemeinbildung“. Aber jetzt soll sich in dieser Beziehung für die Schülerinnen und Schüler grundlegend etwas zum Positiven ändern. Die Deutsche Bank will für mehr finanzielle Allgemeinbildung sorgen.
Jemand aus dem Hintergrund: Da wird doch der bock zum Gärtner gemacht!
Ich habe dazu ein Interview mit einer Pädagogin aus Stuttgart geführt.

2. Interview mit Gesine Kulcke (Dipl. PÄD’in und freie Journalistin) (Aufgenommen!)

3. Schlusskommentar (entlang meines Textes für die GEW-Zeitung) (Aufgenommen)

Ich habe mich ‚mal schlau gemacht und nachgeschaut, was eigentlich unter Patenschaft zu verstehen ist. Bei wikipedia lese ich:

Als Patenschaft wird die freiwillige Übernahme einer Fürsorgepflicht bezeichnet.
Pate ist ein Ehrenamt in HYPERLINK „http://de.wikipedia.org/wiki/Christentum“christlichen HYPERLINK „http://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_(Organisation)“Kirchen. (…) Der Begriff „Pate“ kommt vom lateinischen pater spiritualis bzw. patrinus, „Mit-Vater“ (genau wiedergegeben mit dem altdeutschen Wort „Gevatter“).

Folgen wir diesen Begriffserläuterungen, heißt das: Die Deutsche Bank will Patin werden, will sich fürsorglich um Schulen als ihre Patenkinder kümmern. „Unsere Patin“, könnte dann eine Schule auf ihrer Homepage verkünden, „ist die Deutsche Bank“. Aber wer will schon eine Institution als Paten? Als Paten wünscht man sich einen Menschen aus Fleisch und Blut. Was liegt da näher, als den Boss dieser Institution als Paten anzunehmen. Das heißt: „Der Pate“ ist also letztendlich der Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Da sich das nicht so schön anhört, sagen ich lieber „Gevatter“ zu Josef Ackermann.
Gevatter Ackermann übernimmt also die Patenschaft für eine Schule, um einen Beitrag dazu zu leisten – Zitat aus der Cannstatter Zeitung – , „Schülern frühzeitig ein Verständnis für elementare Wirtschaftsfragen zu vermitteln und damit das Bewusstsein der Schüler für den Umgang mit Geld zu schärfen“. Oder in den Worten der „Deutsche-Bank-Stiftung“, die 2005 die „Initiative Finanzielle Allgemeinbildung“ ins Leben gerufen hat: „Wir wollen junge Menschen in die Lage versetzen, ihre derzeitige und zukünftige Finanzplanung verantwortungsvoll selbst in die Hand zu nehmen. (…) Im Rahmen der Initiative „Finanzielle Allgemeinbildung“ besuchen Kundenberater der Deutschen Bank die Schulen (…) Für den Schulbesuch unterbrechen die Kundenberater einen Tag lang ihr Alltagsgeschäft“.
Dieser hier formulierte Anspruch – Schärfung des Bewusstseins im Umgang mit Geld, verantwortungsvolle persönliche Finanzplanung, Verständnis für elementare Wirtschaftsfragen – spricht eindeutig für eine personale Patenschaft von Josef Ackermann. Im Jahr 2009, dem Jahr, in dem die Finanzkrise voll ausbrach und viele kleine Sparer, viele Aktienbesitzer und ganze Kommunen um viel Geld gebracht wurden, ist das Jahressalär von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank auf die Rekordsumme von 9,3 Mio Euro heraufgesetzt worden (nachzulesen in der StZ v. 17. 3. 2010). Der Mann hat’s offenbar begriffen.
Viel weniger attraktiv wäre da eine Patenschaft der Deutschen Bank.
Laut den „FinanzNachrichten“ vom 13. 10. 2009 hat der Gemeinderat der Stadt Pforzheim eine Münchner Anwaltskanzlei beauftragt, juristische Schritte gegen die Deutsche Bank zu prüfen. Der Vorwurf: Falsche Beratung, arglistige Täuschung. Der Stadt drohen Verluste von 53 Millionen Euro.
Anderes Beispiel (es stand in der StZ v. 4. 3. 2010): Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am 26. Februar 2010 „dem Anlagenbauer Teamtechnik aus Freiberg am Neckar Schadenersatz in voller Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro zugesprochen. Die Revision hat der Senat nicht zugelassen. Damit ist die Deutsche Bank erstmals zweit-instanzlich in einem der Verfahren zu den hochriskanten Zinswetten unterlegen“.
Von den von der Deutschen Bank (und anderen Geldinstitutionen) versenkten Millionen der Kleinaktionäre soll hier gar nicht die Rede sein.
Und jetzt stellen wir uns vor: Die Kundenberater der Deutschen Bank unterbrechen einen Tag lang ihr Alltagsgeschäft, wollen in die Klassen kommen und das richtige Verständnis für elementare Wirtschaftsfragen vermitteln oder das Bewusstsein der Schüler für den Umgang mit Geld schärfen. Da möchte man sagen: „Rette sich, wer kann“ und man möchte lieber den Gevatter Ackermann in den Unterricht einladen. Bei dieser Gelegenheit kann er uns auch sagen, wie er die Tatsache begründet, dass er rund 190 mal mehr verdient als ein mittlerer Angestellter seines Instituts.

Abmoderation (live):

Noch eine Ankündigung zum Schluss:
In letzter Zeit kann man beobachten, dass immer mehr Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen versuchen, ihren Fuß in die Tür zur Schule zu bekommen. Das nennt man dann „Partnerschaft“, „Patenschaft“ oder „Kooperation“. Dabei geht es in den meisten Fällen nicht um selbstlose Unterstützung der schulischen Arbeit, sondern darum, den Schülerinnen und Schülern die Welt aus der Sicht der Banken, der Versicherungen oder der Unternehmen zu erklären.
Ein ganz drastisches Beispiel liefert die Bundeswehr: Sie hat Ende letzten Jahres eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kultusministerium von Baden-Württemberg abgeschlossen. Darüber berichten wir in der nächsten Sendung des AnStifterFunken am 11. Mai.