AnStifterFunkten
Sendung vom 13.04.2010 (Nachbereitung)

Ganz reibungslos funktionierte gestern zwischen Blätterrauschen, Stoppuhrpiepen, Stühlequietschen, Türenschlagen, Sendelöchern und anderen Nebengeräuschen nicht alles. Der Knopf für die Umstellung zwischen Aufnahmen, die im Web ausgelagert und von dort aus eingespielt werden mussten, wollte anfangs nicht und solidarisierte sich in diesem Sinn mit dem CD-Player der Loops abspielte, wo keine Loops (Endlosschleifen) hingehörten. Das Mikrofon war auch nicht auf der Höhe seiner Anforderungen, man musste zur Beseitigung eines ärgerlichen Raumrauschens aber nur den Schalter des Mikro mal hin und her bewegen und zumindest dieses Problem „fachmännisch“ zu beheben. Andererseits sprang das besagte Mikrofon in Zusammenarbeit mit einem von Helmut mitgebrachten Laptop helfend ein, als der CD-Player sich geschickt weigerte, MP3-Dateien abzuspielen. Inhaltlich kann man aber wohl sagen, dass das Thema „Kultur für Menschen mit Demenz“ als Rahmen gut funktioniert hat und Inge Jens mit der Lesung eines Kapitels aus dem Buch „Unvollständige Erinnerungen“ dieses wunderbar ergänzt hat. Den gesamten Ablaufplan der Sendung, der noch durch die Playlist ergänzt werden müsste, findet Ihr nachfolgend. Für Anmerkungen, Kommentare, Lob, Kritiken, Fragen mittels der weiter unten zu findenden Kommentarfunktion, ist die Redaktion der AnStifterFunken dankbar. Die nächste Redaktionskonferenz findet am 22.4. um 19.00 Uhr im Antiquariat Buch + Plakat in der Wagnerstraße 43, mitten im Bohnenviertel, statt.

22:00:00 Bumpin’ on Sunset (Wes Montgomery) OFF: ca. 1 Minute nach Beginn folgender Text Die heutige Sendung der AnStifterFunken wird zum ersten Mal von einer 6-köpfigen, neuen Redaktion gestaltet. Mit dabei sind Beate Zela-Koort, Monika Lange-Tetzlaff, Hermann Zoller, Helmut Vogel, Hans-Robert Schlecht, Armin Fischer und, mein Name ist, Burkhard Heinz. Nachdem wir am vergangenen Dienstag bei Buch+Plakat im Bohnenviertel unser zweites Redaktionstreffen hatten, steht mit Beginn dieser Sendung rechtzeitig fest, welche Themen heute zwischen 22.00 und 24.00 Uhr auf UKW 99,2 gesendet werden. Im Einzelnen handelt es sich um einen Beitrag von Helmut über die Bemühungen der Deutschen Bank, Schulen, Schülerinnen und Schülern die Finanzwelt “näher zu bringen”. In einem zweiten Beitrag beschäftigt sich Beate mit der Wut einer Stuttgarter Kleinunternehmerin, die nicht bereit ist, ihr Geld dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 “in den Hals zu werfen”; gegenwärtig ist sie auf der Suche nach Möglichkeiten eines Gewerbesteuer-Streiks. Aus Anlass der noch bis zum 15.5. laufenden Ausstellung im Stuttgarter Kunstmuseum “Gerda Taro. Krieg im Fokus” habe ich ein Gespräch mit der Kuratorin und Gerda-Taro-Spezialistin Irme Schaber (AnStifterin) geführt. Aus der Reihe “Vergessene Autorinnen” hat Monika einen Beitrag zu Rahel Sanzara vorbereitet. Rahel Sanzara hat während der Weimarer Republik durch das Buch “Das verlorene Kind” Weltruhm erreichte; das Buch wurde von den Nazis verbrannt weil man von einer so genannten Asphaltliteratin nichts hielt. Ein Beitrag von Hermann trägt den Titel „Das Urteil des Gerichts ist eindeutig: Gerhard Schröder und Angela Merkel sind schuldig“ Der Rahmenbeitrag der heutigen Sendung beschäftigt sich mit einer von den AnStiftern unterstützten Initiative mit der Bezeichnung “Kultur für Menschen mit Demenz”; einleitend hierzu wird die Inge Jens (AnStifterin) einen kurzen Ausschnitt aus ihrem Buch “Unvollständige Erinnerungen” lesen. Die Musik der Sendung hat Armin Fischer ausgewählt. Sie wird zwar die Region zum Zentrum haben, aber alles andere als provinziell klingen. Armin macht heute Abend übrigens auch die Technik. Ach ja. Etwa zehn Minuten vor Schluss, also gegen 23.50 Uhr bekommt Ihr von Monika Eure Gute-Nacht-Geschichte. Sie liest dann einen etwas ausführlicheren Text aus „Das verlorene Kind“ von Rahel Sanzara. Also: aufhören, anschalten, hinhören: AnStifterFunken im Freien Radio für Stuttgart.
22:04:52 Überleitung zum Bankenbeitrag Helmut, Du hast den ersten Beitrag heute Abend vorbereitet. Du hast Radioerfahrung. Was Du aber gesendet hast, konnte nicht über ein Radio empfangen werden, sondern nur über Lautsprecher. Kannst Du kurz sagen, wie das genau ausgesehen hat? Antwort.
22:06:52 Einleitung zum Bankbeitrag; Helmut, Burkhard, Zwischenrufer Kurzes Gespräch im Sendestudio zwischen einem Kollegen (Burkhard?) und mir. Ungefährer Gang des Einleitungsgesprächs: Helmut: Sag mal Burkhard: Du bist doch ein wohlhabender Mann. Wo hat du deine Million geparkt? Bei einer deutschen Bank? In der Schweiz? Oder unterm Kopfkissen? Burkhard: Das Kopfkissen kommt für mich nicht infrage, weil ich zu oft meine Schlafstätte wechsle. Für den Geldtransport in die Schweiz fehlt mir der Kalbslederkoffer. Also bin ich notgedrungen ein Anhänger der eher konservativen aber ehrlichen Geldanlage: Ich habe mein Geld bei der Beraterbank. Helmut: Ich liebe die Diversifikation, der Streuung. Ich habe mein Geld also bei einer hiesigen Bank, aber auch in der Schweiz – hoffentlich ist mein Name auf keiner CD, die den deutschen Finanzämtern zugespielt wurden – angelegt. Im vergangenen Jahr habe ich – obwohl oder weil ich dem Rat meiner Bankberater gefolgt bin – im Zuge der Finanzkrise Einbußen erlitten. Wie sieht’s bei dir aus? Burkhard: Mir ging es auch so, aber ich bin mit einem blauen Auge davongekommen. Helmut: Offenbar fehlt uns beiden etwas der Durchblick in Finanzfragen. Es soll ja durchaus Leute geben, die im Jahr 2009, dem ersten Jahr der Finanzkrise, keine Verluste sondern einen ordentlichen Reibach gemacht haben. Uns beiden fehlt so etwas wie „finanzielle Allgemeinbildung“. Aber jetzt soll sich in dieser Beziehung für die Schülerinnen und Schüler grundlegend etwas zum Positiven ändern. Die Deutsche Bank will für mehr finanzielle Allgemeinbildung sorgen. Zwischenrufer: Da wird doch der bock zum Gärtner gemacht! Helmut: Ich habe dazu ein Interview mit einer Pädagogin aus Stuttgart geführt.
22:08:26 Die CD von Helmut mit zwei Beiträge 1. Interview mit Gesine Kulcke (Dipl. PÄD’in und freie Journalistin) (Aufgenommen!) 2. Schlusskommentar (entlang meines Textes für die GEW-Zeitung) (Aufgenommen) Ich habe mich ‚mal schlau gemacht und nachgeschaut, was eigentlich unter Patenschaft zu verstehen ist. Bei wikipedia lese ich: Als Patenschaft wird die freiwillige Übernahme einer Fürsorgepflicht bezeichnet. Pate ist ein Ehrenamt in http://de.wikipedia.org/wiki/Christentum ….. “http://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_(Organisation)”Kirchen. (…) Der Begriff „Pate“ kommt vom lateinischen pater spiritualis bzw. patrinus, „Mit-Vater“ (genau wiedergegeben mit dem altdeutschen Wort „Gevatter“). Folgen wir diesen Begriffserläuterungen, heißt das: Die Deutsche Bank will Patin werden, will sich fürsorglich um Schulen als ihre Patenkinder kümmern. „Unsere Patin“, könnte dann eine Schule auf ihrer Homepage verkünden, „ist die Deutsche Bank“. Aber wer will schon eine Institution als Paten? Als Paten wünscht man sich einen Menschen aus Fleisch und Blut. Was liegt da näher, als den Boss dieser Institution als Paten anzunehmen. Das heißt: „Der Pate“ ist also letztendlich der Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Da sich das nicht so schön anhört, sagen ich lieber „Gevatter“ zu Josef Ackermann. Gevatter Ackermann übernimmt also die Patenschaft für eine Schule, um einen Beitrag dazu zu leisten – Zitat aus der Cannstatter Zeitung – , „Schülern frühzeitig ein Verständnis für elementare Wirtschaftsfragen zu vermitteln und damit das Bewusstsein der Schüler für den Umgang mit Geld zu schärfen“. Oder in den Worten der „Deutsche-Bank-Stiftung“, die 2005 die „Initiative Finanzielle Allgemeinbildung“ ins Leben gerufen hat: „Wir wollen junge Menschen in die Lage versetzen, ihre derzeitige und zukünftige Finanzplanung verantwortungsvoll selbst in die Hand zu nehmen. (…) Im Rahmen der Initiative „Finanzielle Allgemeinbildung“ besuchen Kundenberater der Deutschen Bank die Schulen (…) Für den Schulbesuch unterbrechen die Kundenberater einen Tag lang ihr Alltagsgeschäft“. Dieser hier formulierte Anspruch – Schärfung des Bewusstseins im Umgang mit Geld, verantwortungsvolle persönliche Finanzplanung, Verständnis für elementare Wirtschaftsfragen – spricht eindeutig für eine personale Patenschaft von Josef Ackermann. Im Jahr 2009, dem Jahr, in dem die Finanzkrise voll ausbrach und viele kleine Sparer, viele Aktienbesitzer und ganze Kommunen um viel Geld gebracht wurden, ist das Jahressalär von Josef Ackermann bei der Deutschen Bank auf die Rekordsumme von 9,3 Mio Euro heraufgesetzt worden (nachzulesen in der StZ v. 17. 3. 2010). Der Mann hat’s offenbar begriffen. Viel weniger attraktiv wäre da eine Patenschaft der Deutschen Bank. Laut den „FinanzNachrichten“ vom 13. 10. 2009 hat der Gemeinderat der Stadt Pforzheim eine Münchner Anwaltskanzlei beauftragt, juristische Schritte gegen die Deutsche Bank zu prüfen. Der Vorwurf: Falsche Beratung, arglistige Täuschung. Der Stadt drohen Verluste von 53 Millionen Euro. Anderes Beispiel (es stand in der StZ v. 4. 3. 2010): Das Oberlandesgericht Stuttgart hat am 26. Februar 2010 „dem Anlagenbauer Teamtechnik aus Freiberg am Neckar Schadenersatz in voller Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro zugesprochen. Die Revision hat der Senat nicht zugelassen. Damit ist die Deutsche Bank erstmals zweit-instanzlich in einem der Verfahren zu den hochriskanten Zinswetten unterlegen“. Von den von der Deutschen Bank (und anderen Geldinstitutionen) versenkten Millionen der Kleinaktionäre soll hier gar nicht die Rede sein. Und jetzt stellen wir uns vor: Die Kundenberater der Deutschen Bank unterbrechen einen Tag lang ihr Alltagsgeschäft, wollen in die Klassen kommen und das richtige Verständnis für elementare Wirtschaftsfragen vermitteln oder das Bewusstsein der Schüler für den Umgang mit Geld schärfen. Da möchte man sagen: „Rette sich, wer kann“ und man möchte lieber den Gevatter Ackermann in den Unterricht einladen. Bei dieser Gelegenheit kann er uns auch sagen, wie er die Tatsache begründet, dass er rund 190 mal mehr verdient als ein mittlerer Angestellter seines Instituts.
22:19:08 Helmut spricht Abmoderation (live): Noch eine Ankündigung zum Schluss: In letzter Zeit kann man beobachten, dass immer mehr Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen versuchen, ihren Fuß in die Tür zur Schule zu bekommen. Das nennt man dann „Partnerschaft“, „Patenschaft“ oder „Kooperation“. Dabei geht es in den meisten Fällen nicht um selbstlose Unterstützung der schulischen Arbeit, sondern darum, den Schülerinnen und Schülern die Welt aus der Sicht der Banken, der Versicherungen oder der Unternehmen zu erklären. Ein ganz drastisches Beispiel liefert die Bundeswehr: Sie hat Ende letzten Jahres eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kultusministerium von Baden-Württemberg abgeschlossen. Darüber berichten wir in der nächsten Sendung des AnStifterFunken am 11. Mai.
22:19:53 Libertango – Raul Jaurena Trio
22:26:20 Hans, Burkhard Burkhard: Hans – Hans-Robert Schlecht mit vollem Namen – ist einer von RosenResli. Rosenresli ist Figur aus einer Erzählung von Johanna Spyri, deren Name alleine dadurch ein Aha-Erlebnis hervorruft, dass man sagt, dass sie die Autorin der berüchtigten Heidi-Geschichten ist: Heide auf der Alm, Heidis Lehr- und Wanderjahre, Heidi und so weiter. Die Rosenresli ist nun auch so eine merkwürdige Figur. Sag mal Hans, wenn Du einer von Rosenresli bist, dann muss Du mir nichtmehr erklären, dass das kein Fanclub ist. Was ist Rosenresli? (ca. 50 Sekunden) Hans: (2 Minuten? …) Burkhard: Wir werden heute Abend noch etwas näher auf die Rosenrelis oder die Kultur für Menschen mit Demenz eingehen. Hans wird die ganzen zwei Stunden hier im Studio sein.
22:29:10 Jeux d’eau – Maurice Ravel
22:34:55 Contra Stuttgart 21 1. Teil
22:36:21 Contra Stuttgart 21 2. Teil
22:37:11 Contra Stuttgart 21 3. Teil
22:37:55 Cueca Del Arbol – Quique Sinesi/Daniel Messina
22:42:40 Hans, Burkhard Burkhard: Hans – Hans Robert Schlecht, Redakteur der AnStufterFunken, noch nicht so lange, deutlich länger aber schon Vorstand von „RosenResli Kultur für Menschen mit Demenz“. Hans, Du bist selbst, nicht als nennen wir es mal „Patient“ sondern als Sohn von Demenz betroffen. Deine Mutter, die mittlerweile deutlich über 80 Jahre ist, ist dement. Wie leicht oder wie schwer ist Dir der Umgang mit ihr geworden? (ca. 20 Sekunden) Hans: (2 Minuten?….) Burkhard: Das heißt Euer Engagement auf diesem Gebiet hat auch persönliche Gründe. Es gibt sicherlich aber auch, nennen wir es mal „sachliche“ Gründe, die Dich zu dem Projekt, in dem ja sicherlich eine Menge Arbeit steckt, bewogen, getrieben, … hat. Hans: (2 Minuten? …)
22:47:40 Prelude in B-Dur – Sergej Rachmaninow
22:51:33 Hans, Burkhard Burkhard: Menschlich oder Literarisch oder wie man sagen will gibt es eine Person oder eine Familie, die einem einfallen könnte, wenn man über Demenz spricht: das ist Walter Jens, deutscher Professor für Rhetorik, Altphilologe und Literaturhistoriker, Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer. Sozialdemokrat und AnStifter, auf der einen Seite und Inge Jens und Tilman Jens auf der anderer Seite. Inge Jens – die übrigens wie Walter Jens auch Anstifterin ist – hat im letzten Jahr ein Buch veröffentlicht, dass den Titel „Unvollständige Erinnerungen“ trägt. Was Kultur für Menschen mit Demenz sein kann, wird sehr deutlich, wenn man das letzte Kapital des erwähnten Buches liest, aus dem Inge Jens jetzt selbst einen Teil vorträgt. Für die Überlassung der Aufnahme möchte ich dem Literaturhaus Stuttgart danken.
22:52:33 Inge Jens liest aus ihrem Buch “Unvollständige Erinnerungen”
22:56:59 Two Trees – Siebert/Frey/Shotham
23:00:53 Hans, Burkhard Burkhard: Inge Jens haben wir jetzt eben gehört. Sie hat einen Teil aus dem letzten Kapital ihres Buches „Unvollständige Erinnerungen“ gelesen. Tilman Jens ist hat ebenfalls im Zusammenhang mit der Demenz seines Vaters schriftstellerisch tätig gewesen. Ihr habt zusammen mit Tilman Jens Veranstaltungen durchgeführt. Ich muss sagen, dass ich das sehr heftig diskutierte Buch „Demenz. Abschied von meinem Vater“ dessen Autor Tilman Jens ist nicht gelesen habe. Was ist Tilman Jens für ein Mensch? Hat er sich tatsächlich in der Erwähnung seines Vaters im Ton vergriffen? Hans: (ca. 2 Minuten…) Burkhard: (….) Hans: (….) Burkhard: Ich spreche mit Hans-Robert Schlecht, AnStifter, aber vor allem Initiator eines in Deutschland einmaligen Projekts mit der Bezeichnung „Rosenresli Kultur für Menschen mit Demenz“. Wir hatten zu Anfang die Familie Jens als Prominenz genannt. Euer Projekt hat andere prominente Unterstützer und Unterstützerinnen. Was machen die genau und wie engagieren die sich? Hans (…)
23:10:53 Papritschka – Trio Bluesette
23:13:44 Einleitung zu Rahel Sanzara: Monika Lange-Tetzlaff, Antiquarin
23:17:26 (kurzes Musikstück, ruhig!)
23:19:26 Monika liest ihren Beitrag Monika: Am 10. Mai 1933 ging auch Rahel Sanzaras Roman „Das verlorene Kind“ in den Flammen der nationalsozialistischen Scheiterhaufen auf. Für die Schriftstellerin bedeutete dies, dass sie nicht mehr in Deutschland publizieren konnte, was einem Berufsverbot gleichkam. Eigentlich sollte man erwarten, dass nach Ende des Nazisregimes das Interesse an den ehemals verbotenen Büchern groß wäre. Leider war dem nicht so. Rahel Sanzara ist heute eine fast vergessene Schriftstellerin. Wer war sie und warum war sie den Nazis ein Dorn im Auge? Anders als der Name vermuten lässt, hat Rahel Sanzara kein jüdisches Elternhaus. Sie wurde am 9. Februar 1894 in Jena als Johanna Bleschke, Tochter eines Stadtmusikers geboren. Ihren Künstlernamen Rahel Sanzara wählte sie als Schauspielerin aus Sympathie für das Jüdische und wegen des exotischen Klangs. Die Schriftstellerin Rahel Sanzara begann ihre künstlerische Karriere nach mehrenen bürgerlichen Berufsausbildungen zunächst als Tänzerin und etwas später als Schauspielerin. So trat sie bereits 1916 in dem Film „Der Fall Routt“ auf und etwas später in „Tanja“, einem Stück ihres Freundes Ernst Weiß. 1924 beendete sie nach einem größeren Misserfolg ihre schauspielerische Karriere und wandte sich der Literatur zu. Ihr erster Roman „Das verlorene Kind“, der ihr bekanntester Roman werden sollte, erschien 1926. Das Thema erregte sofort großes Aufsehen: sie erzählt darin die Geschichte einer heilen Familie, die durch den Sexualmord an ihrem vierjährigen Töchterchen aus den Fugen gerät. Literarische Größen wie Carl Zuckmeyer und Gottfried Benn waren begeistert. Dieses Thema ist der zweite Grund, warum die Nazis Rahel Sanzaras Bücher ablehnten. Aus der Sicht der Nazis gehörte sie zu den sogenannten Asphaltliteratinnen, die alles in Schmutz zogen. Der Mörder erwachte, als er aus dem eben noch vor Durst vertrockneten Mund Speichel in seinen Hals rinnen fühlte. Er zog seine linke Hand zwischen den Gliedern des Kindes hervor, um sich abzuwischen. Sie war voll Blut. Er hielt sie vor die langsam erwachenden Augen. Er entsann sich, daß er am Morgen sich bei den Weiden geschnitten hatte. Er glaubte, die Wunde blute noch immer. Seine rechte Hand, um die Kehle des Kindes gekrampft, hatte er vergessen. Das Kind, tief unter seinem Leibe vergraben, hatte er vergessen. In Ermüdung, in wollüstiger Ruhe, im Tod aller Herzen ruhte er aus, gebettet weich auf dem kühlen weichen Grund unter ihm. Er wandte langsam sein Gesicht nach oben, es war geebnet, ruhig, weiß, engelgleich die sanften Züge. Sein müder Blick umfaßte das Stroh vor seinen Augen, ein großer, grüner Käfer bewegte sich mühsam auf ihn zu. Er mußte lachen, im Lachen warf er sich auf den Rücken, sein Leib gab die Leiche der kleinen Anna frei. Er begriff nichts. Kaum sah er. Er fühlte die Unordnung seiner Kleider, und Scham ergriff ihn. Schnell machte er alles gut. Er dachte an seine Arbeit. Er sah umher. In der Dunkelheit erblickte er, ineinander verworren, mattschimmernde Kleider in Unordnung, verrenkte, leblose Glieder. Der Gedanke durchzuckte ihn: »Hier muß Ordnung sein!« Alle Müdigkeit war verjagt. Er rannte zum Tor der Scheune hinaus. Ihr zweiter Roman „Die glückliche Hand“ erschien 1936 in der Schweiz, der dritte „Die Hochzeit der Armen“ gilt bis heute als verschollen. Rahel Sanzara, deren Mann Walter Davidsohn ebenso wie ihr Freund Ernst Weiß emigrierte, blieb trotz ihrer Ablehnung des Naziregimes in Berlin. Am 8. Februar 1936 starb sie dort an Krebs. Die Frauenbewegung in den 1970er Jahren entdeckte „Das verlorene Kind“ wieder. Einem größeren Publikum blieb sie jedoch unbekannt.
23:24:32 Musik (nicht lang, ruhig, der Stimmung entsprechend!)
23:27:32 Hans, Burkhard Burkhard: Hans, wenn Ihr eine Veranstaltung mit Menschen mit Demenz macht, wie muss man sich das vorstellen? Kauft Ihr 20 Eintrittskarten für die Oper und dann los oder sind das besondere Veranstaltungen? Hans: (kurz?) Burkhard: Was ist Kultur bei Euch? Oper, Theater, Konzert? Oder auch Fußballplatz, Kino, Tankstelle,…? Hans:… Burkhard: Wie ist es mit Führungen im Kunstmuseum? Hans: ….
23:32:32 Musik (Achtung, wir nähern uns dem Ende…)
23:35:32 Burkhard: Einleitung zur Ausstellung „Gerda Taro. Krieg im Fokus“ Burkhard: Seit Anfang des Jahres läuft im Stuttgarter Kunstmuseum die Ausstellung „Gerda Taro. Krieg im Fokus“. Kuratorin der Ausstellung ist die AnStifterin Irme Schaber mit Wohnsitz im Schorndorf. Irme Schaber ist Gerda Taro-Spezialistin und hat bereits im Jahr 1994 eine Biographie der Fotographin veröffentlicht, die man lange Zeit nur als Partnerin von Robert Capa kannte. Gerda Taro ist als Gerta Pohorylle in Stuttgart geboren, Mitte der 1930er-Jahre nach Spanien gegangen, um den spanischen Bürgerkrieg für die Zeitschriften der Welt zu dokumentieren. 1937 ist Gerda 20 km westlich von Madrid von bei einem Unfall zu Tode gekommen. Ende März habe ich mit Irme Schaber im Kunstmuseum über die Ausstellung sprechen können, die noch bis Mitte Mai in Stutgart zu sehen sein wird.
23:36:32 Interview mit Irme Schaber im Kunstmusuem Stuttgart (Achtung Lautstärke runterpegeln!) Frage: Wie sind Sie zu Gerta Taro gekommen?Stichworte der Antwort: 1994 Biographie Gerta Taro; Tina Modotti und Archivfunde in Salamanca; überraschender Geburtsort Stuttgart; es wurde eine spannende und vielschichtige Angelegenheit Wie lang braucht es, bis die Bilder einer solchen Ausstellung endlich an der Band hängen? Nachlass von Robert Capa; Trennung der Arbeiten; Taros Bilder wurden nicht bearbeitet; der “Falling Soldier” und der Bezug von Gerta Taro zu diesem Bild; gemeinsames Copieright; ab 1937 unter eigenem Namen; trotzdem spätere Umwidmungen; McCarthy-Ära und die Taro-Ausflüchte von Robert Capa; Verdrängung von Gerta Taro; in der DDR gar es eine Wahrnehmung als Teilnehmerin der internationalen Brigaden; Liebesgeschichte Capas; Schwierigkeit für das Museum; Warum erst jetzt; Generationswechsel; positive Wahrnehmen auch von Robert Capa Wie sieht die Überarbeitung der Biographie aus? Spekulationen wurden zu Tatsachen; wissenschaftliche Heransgehensweise Wie würde man die Ausstellung heute anders machen? Es gibt eine Modifizierung z.B. beim Falling Soldier; aber erst nach 2000 konnten Bilder klar identifiziert werden; die Diskussion muss von der Taro-Seite untersucht werden; es gibt neue Erkenntnisse die neu zu formulieren wären; Brunete-Vorkommnisse sind noch nicht erwähnt.
23:44:56 kurze Musik
23:46:56 Gute-Nacht-Geschichte: Monika liest aus „Das verlorene Kind“
23:51:56 Wes Montgomery: Bumpin’ on Sunset OFF. wieder kurz nach Beginn des Abspanns. Das war: AnStifterFunken im Freien Radio für Stuttgart. Die heutige Sendung der AnStifterFunken wäre ohne die 6-köpfige, neue Redaktion nicht so geworden, wie sie geworden ist. Mit dabei waren Beate Zela-Koort, Monika Lange-Tetzlaff, Hermann Zoller, Helmut Vogel, Hans-Robert Schlecht, Armin Fischer und, mein Name ist, Burkhard Heinz. Die nächste Redaktionskonferenz findet wieder um 19.00 Uhr im Antiquariat Buch + Plakat im Bohnenviertel statt. In der Wagnerstraße 43. Am 22.April 2010. Wer neugierig ist, ist willkommen. Im Einzelnen habe Ihr heute einen Beitrag gehört von Helmut Vogel über die Bemühungen der Deutschen Bank, Schulen, Schülerinnen und Schülern die Finanzwelt “näher zu bringen”. Ein zweiter Beitrag, von Beate Zela-Koort, beschäftigte sich mit der Wut einer Stuttgarter Kleinunternehmerin, die nicht bereit ist, ihr Geld dem umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 “in den Hals zu werfen”; gegenwärtig ist sie auf der Suche nach Möglichkeiten eines Gewerbesteuer-Streiks. Aus Anlass der noch bis zum 15.5. laufenden Ausstellung im Stuttgarter Kunstmuseum “Gerda Taro. Krieg im Fokus” habe ich ein Gespräch mit der Kuratorin und Gerda-Taro-Spezialistin Irme Schaber (AnStifterin) geführt. Aus der Reihe “Vergessene Autorinnen” hat Monika Lange-Tetzlaff einen Beitrag zu Rahel Sanzara gebracht. Der Beitrag von Hermann Zoller „Das Urteil des Gerichts ist eindeutig: Gerhard Schröder und Angela Merkel sind schuldig“ wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Der Rahmenbeitrag der heutigen Sendung beschäftigte sich mit einer von den AnStiftern unterstützten Initiative mit der Bezeichnung “RosenResi, Kultur für Menschen mit Demenz”; einleitend hierzu laß Inge Jens (AnStifterin) einen kurzen Ausschnitt aus ihrem Buch “Unvollständige Erinnerungen”. Wenn Ihr die Rosenresi unterstützen wollt, Hans, was kann man da machen? Achtung Hans, bitte Unterstützungsmöglichkeiten sagen Die Musik der Sendung hat Armin Fischer ausgewählt. Sie hatte die Region zum Zentrum, sollte aber nicht provinziell daher kommen. Eine entsprechende Playlist mit dem gesamten Ablauf der Sendung findet Ihr auf der AnStifter-Website: www.die-anstifter.de. An der Technik ebenfalls Armin Fischer. Das war es für heute. Die nächste Sendung der AnStifterFunken am 11.05.2010 wieder zwischen 22.00 und 24.00 Uhr, wieder auf UKW 99,2. Nähere Infos auf www.die-anstifter.de Aufhören, anschalten, hinhören: AnStifterFunken im Freien Radio für Stuttgart. Mein Name ist Burkhard Heinz. Gute Nacht!

Ein Gedanke zu „AnStifterFunkten: Sendung vom 13.04.2010 (Nachbereitung)

  1. Liebes Radioteam,
    ja ich habe mich wieder eingehört, zeitlich gerade noch ‚dranngedacht… die Fanin von erster Stunde an.
    Nun gut die Technik…..zwischen Blätterrauschen, Stoppuhrpiepen, Stühlequietschen, Türenschlagen, Sendelöchern und abgeschnittenen Songs…. war schade, aber gegen eine technische Verschwörung kann man nur gelassen reagieren und ich muß sagen, Burkhard, Du hast immer ganze gute Brückenschlaginterviews gezaubert.
    Eure neue Crew hat nun viele Themen bearbeitet, die man vielleicht noch ein bisschen mehr unter ein gemeinsames Motto pro Sendung stellen könnte. Aber die Beiträge waren alle klasse!!… vielleicht der erste mit der Bankpatenschaft ein Tic zu lange. Der Absatz mit Gevatter Ackermann ist eine gute Idee gewesen, aber er kam dann mit den Angestellten bei mir irgendwie nicht richtig an… Rosenresli und die Demenz fand ich klasse und sehr lebendig … unschlagbar war die Lesung von Inge Jens und dem anschließendem musikalischen Übergang…. einfach gelungen! Überhaupt wiedermal ein Lob an die Musikauswahl (an Armin! diesmal richtig geschrieben)… Rahel Sanzara hat mich neugierig gemacht! … Burkhard ich wußte gar nicht, dass Du so schnell und dabei so präzise sprechen kannst – fantastischer Abgang! Überhaupt weiterso!!!!!! Nächstes Mal überlistet Ihr einfach noch die technischen Geister……Bis in 4 Wochen herzliche Grüße Heike

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