Kategorie-Archiv: Allgemein

Zensur?
Mein patriarchales Weißwürstchen­fest

Du musst gar kein Rassist, Sexist oder Schwulenhasser sein, um einen diskriminierenden Lehrplan zu erstellen. Es reicht schon, dass es deine Lehrer oder deren Lehrer oder die Lehrer dieser Lehrer waren. Unter Druck wiederholt sich der Status quo. Für den Triumph der Diskriminierung reicht es, wenn gleichberechtigungsliebende Menschen faul oder überarbeitet sind.

Quelle: ZEIT Campus

Kino
Alles was kommt

Im Mittelpunkt Isabelle Huppert, von der wir jetzt wissen, dass sie am liebsten ihre linke Seite gefilmt haben möchte. Von der Regisseurin – Mia Hansen-Løve – ist nun klar, dass sie dem Wunsch ihrer Hauptdarstellerin gerne entsprochen hat. Die Geschichte: ein Mann trennt sich von seiner Frau, die Mutter der Frau stirbt, die Katze heißt Pandora und die Frau kennt eine Land-Wg, die sich unter anderem darüber unterhält, ob die Aufsätze in ihrer Zeitschrift anonym oder mit Namen unterzeichnet werden sollen. Es fallen lauter philosophische Namen, man schreibt für Verlage und unterrichtet an Universitäten. Das einzige Wesen, das die Frau umarmt mit aller ihrer Liebe – davon scheint sie nicht viel zu haben – ist ihre Katze Pandora, mit der sie trotz Katzenallergie auch in einem Bett schläft. Ein seltsam aseptisches Filmereignis dessen Bemühungen um Intellektualität erstaunlich sind. Es waren außergewöhnlich viele Zuschauer im Kino, die sich den Berliner Silbernen (Regie-)Bären 2016 ansahen. Alles was kommt läuft derzeit im Stuttgarter Atelier am Bollwerk

Peru
Pedro Pablo Kuczynski

pderopablokuczynski
Wenig hat man bisher über den neuen Präsidenten von Perú lesen können. Sein Name ist Pedro Pablo Kuczynski.

Folgt man der renommierten spanischen Tageszeitung El Pais, dann steht Pedro Pablo Kuczynski für den Geist einer gesamten Epoche. In seiner Person kreuzen sich Lebenslinien, die beeindrucken.

Pedro Pablos Vater war Max Kuczynski Schlesinger, der Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin geboren wurde. Max‘ Familie väterlicherseits stammte aus Posen, im heutigen Polen. Seine naturwissenschaftlichen und medizinischen Studien führten Max Kuczynski nach Freiburg, Berlin und Rostock. 1929 entwickelte er mit einem Team brasilianischer Ärzte eine Impfung gegen Gelbfieber, die auch heute noch eingesetzt wird. 1933 flieht Max Kuczynski vor den Nazis nach Lima. Dort heiratet er 1935 Madeleine Godard. Sie ist Schwester des schweizer Arztes Paul Godard, dessen Sohn Jean Luc Godard der bekannte Filmregisseur ist. Nach der Heirat nennt Max Kuczynski sich Maxime Kuczynski Godard und arbeitet u.a in einer peruanischen Leprastation, wo sein ungewohnt liebevoller und direkter Umgang mit den Kranken großen Eindruck auch auf eine Person macht, die damals grade 24 Jahre alt ist, Medizin studiert und mit dem Motorrad Südamerika bereist. Es ist der Argentinier Ernesto Rafael Guevara de la Serna, Che Guevara.

Maxime Kuczynski Godard, der 1967 in Lima stirbt, ist in den später 1940er-Jahren nach einem Gefängnisaufenthalt infolge eines Putsches so sehr von der Rückschrittlichkeit der peruanischen Machthaber enttäuscht, dass er die Ereignisse in China mit großer Hoffnung verfolgt. Dort setzt sich Mao Zedong im chinesischen Bürgerkrieg schließlich gegen die alten Machteliten durch. Max Kuczynski verbindet aber nicht nur große Hoffnung mit Mao, er gelangt sogar zu der Überzeugung, dass seine Kinder in China erzogen werden sollten. Diesem Ansinnen kann sich seine Frau Madeleine jedoch widersetzen, so dass dem heutigen Präsidenten Perus die massenmordende kommunistische Tradition unter Mao Zedong erspart bleibt.

Während in den späten 1960er-Jahren die auch von der Studentenbewegung hoch gehaltene chinesische Kulturrevolution Lynchmorde und Pogrome begeht, bei denen hunterdtausende Menschen dem Volkszorn zum Opfer fallen, kehrt der nun unternehmerisch tätige Pedro Pablo Kuczynski nach langen Studien- und Berufsaufenthalten im Ausland 1967 nach Peru zurück, um bei der Zentralbank des Landes zu arbeiten.

Kuczynski wird dem wirtschaftliberalen Spektrum Perus zugerechnet und ist gut mit dem Schriftsteller Mario Vargas Llosa befreundet. 1990 wollte Vargas Llosa selbst Präsident werden, verlor die Wahl jedoch gegen den heute u.a. wegen Korruption Inhaftierten Alberto Fujimori. Dessen Tochter Keiko war nun die Verliererin gegen Pedro Pablo Kuczynski.

Hans und Florian Schlecht ausgezeichnet
Verein „Rosen-Resli“ zeigt dementen Menschen Kultur

Mehr Lebensfreude für demente Menschen, das ist das Anliegen von Hans Schlecht und seinem Sohn Florian aus Stuttgart. Zusammen leisten sie schon seit 10 Jahren Kulturarbeit für Menschen mit Demenz. Das machen sie so überzeugend, dass sie für ihr Engagement mit dem Paul-Lechler-Preis ausgezeichnet wurden. Er wird alljährlich von der Lechler Stiftung für beispielgebende Vorhaben auf dem Gebiet der Inklusion verliehen.

Mehr Informationen hier.

Quelle: SWR Fernsehen 09.08.2016